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[Erster Tag:]Nichts ist vielleicht belohnender in der ganzen Welt für den Empfänglichen, als die Ruinen der hunderttorigen Thebae zu schauen – und bestimmt nichts langweiliger, als ihre Beschreibung zu lesen, wenn die Touristen, ohne einen bestimmten gelehrten Zweck dabei zu verfolgen, dennoch von allen Details, mit dem Maßstock und dem leitenden Buche in der Hand, die genaueste Rechenschaft geben zu müssen glauben, wie ich mich in mehr als einem Dutzend Reisebeschreibungen bis zum Überdruß überzeugt habe – Werke unermüdlicher Aufzeichner, Abschreiber und Kompilatoren ohne alle eigene Kritik und Gedanken, mit denen wir wirklich zu reichlich über Ägypten versehen sind. Ich selbst werde mich daher so kurz als möglich fassen, immer jedoch dem Leser einige allgemeinere, mehr den Haupteindruck schildernde Bilder dabei anschaulich zu machen suchen. Wer sich wissenschaftlich instruieren will, der lese die wenigen alten und neuen klassischen Autoren über dieses Land nach, die zwar nicht immer einig miteinander sind, aber dem Wißbegierigen doch jeden Unterricht erteilen, welchen der Stand heutiger Entdeckungen überhaupt zu gewähren fähig ist. Das vorliegende Buch erfüllt seinen Zweck, wenn es unterhält und nebenbei dem Dilettanten das möglichst treu wiedergibt, was nur der Augenschein lehren kann. Für gelehrte Forscher ist es nicht geschrieben, und ich hoffe dies nun oft genug wiederholt zu haben, um die Ansprüche festzusetzen, die man vernünftigerweise an mich zu machen hat. Schriebe ich für praktische Engländer oder Franzosen, so wäre jedes Wort darüber ganz überflüssig, aber der deutsche Pedantismus bedarf ihrer. Es schien mir bei der Besichtigung Thebens sehr wesentlich, daß der Beschauer stufenweise vom Geringeren zum Höheren fortschreite, das Gegenteil würde ihm die Hälfte des Genusses rauben. Ich lade den Leser daher ein, jetzt mit mir am linken Nilufer bei den Hütten des Dorfes Gurneh unter einer Gruppe Palmen ans Land zu steigen. Eine Viertelstunde vor uns im Westen sehen wir über grün besaatete Felder hinweg den steilen Abhang des kahlen libyschen Gebirges, der ägyptischen Aphrodite Hathor geweiht, die an seinem Fuß alle Morgen in Gestalt einer weidenden Kuh hier die Sonne empfing. Braunrote Felsenwände steigen senkrecht in die Höhe, der Grund unter ihnen aber ist weithin durchwühlt und ein Völkchen Troglodyten wohnt jetzt in den alten Gräbern, deren Öffnungen wie schwarze Flecken über dem weißen Sande hingestreut sind – denn es ist Thebens an zwei Stunden sich ausdehnende Nekropolis, die wir hier vor uns haben. Die Toten grüßen uns zuerst aus der unterirdischen Nacht, bevor wir im Licht der ewigen Sonne ihre unsterblichen Werke schauen. Längs der schweigenden Gräberstadt in südlicher Richtung weiterreisend, zeigt sich uns bald, von den Resten eines koptischen Dorfes und seinen schmutzigen Mauern aus ungebrannten Erdziegeln umgeben, der erste antike Tempel, dem Ammon geweiht, von des großen Ramses Vater begonnen und von seinem Sohne vollendet in der letzten Blütenzeit ägyptischer Kunst. Er ist nur von mittlerer Größe, aber welch ein Unterschied mit der schon dem Verfall gänzlich angehörigen Nachahmungsweise zu Denderah! Und wie irregeführt würde der sein, welcher, nicht weiter gekommen, nach jenem Monument bereits ein Urteil über ägyptische Architektur und Kunst fällen wollte. Es ist ziemlich dasselbe Verhältnis zwischen beiden wie zwischen den gotischen Kirchen, die heute noch kümmerlich bei uns entstehen, und denen, die im Mittelalter aus kräftig lebendigem Samen organisch emporwuchsen. Die schöpferische Kraft in edler Ruhe, die klassische Gediegenheit vom Höchsten bis zum Geringsten bei allem Flug der Phantasie; die keine Schwierigkeit mehr kennende Sicherheit der Technik, deren Vollendung jeden, der Sinn und Liebe für die Kunst besitzt, mit einer wahrhaft wohltuenden Befriedigung erfüllt, sprechen sich in Thebens Kunstwerken so deutlich aus wie im Parthenon, wenngleich in ganz anderer, in jeder Hinsicht kolossalerer Form, auf ganz andrem Boden und unter ganz verschiednen Einflüssen entsprossen. – Denn sehr richtig sagt Prokesch: «Griechische und ägyptische Kunst stehen nicht unter-, noch über-, sondern nebeneinander.» Was in Denderah zu fast widrigen, sich ewig wiederholenden, monotonen Fratzen wird, jener allerdings seltsame, heilige Stil, den beizubehalten eine religiöse Verpflichtung und seine vielfache intellektuelle Bedeutung zwang, wie edel ausgebildet und in seinem Ausdruck vielfach abgestuft und variiert stellt er sich hier dar. Tief eingegraben, mit wunderbarer Präzision gezogne Außenlinien umschließen schützend darin eingesenkte Basreliefs von einer Wahrheit, Fülle und Schönheit, welche in diesem Stil nichts übertreffen kann. Es ist eine Ungerechtigkeit, wenn man behauptet, daß die ägyptische Kunst in Ausbildung der Gestalt hinter der griechischen zurückbleibe. Sie strebt nur in der Regel mehr dem Erhabenen als dem Lieblichen nach. Wahrlich, nie sah ich, nach meinem Gefühl, Götter und Könige in imposanterer Majestät auf ihren Thronen ruhen, nie einen würdigeren Ausdruck der ihnen Opfernden oder gabenbringenden Helden, als an den Meisterwerken Thebens, obgleich sich größtenteils dieselben konventionellen Stellungen nach religiösen Vorschriften bei allen mehr oder weniger wiederholen. So werden zum Beispiel meistens, doch nicht immer, die Figuren nur im Profil dargestellt, nicht perspektivisch behandelt, gewöhnlich nur in schroffer Hälfte sichtbar, die weiblichen zum Beispiel bloß mit einer der beiden hervortretenden Brüste, gleich einer Silhouette. Von den doppelten Pylonen des genannten Tempels und der Sphinxallee, die zu ihm führte, ist kaum mehr die einstige Stelle zu entdecken, und das Gebäude selbst, welches mit dem Tempel, wie in Ägypten sehr gewöhnlich, auch noch einen königlichen Palast vereinigte, liegt ebenfalls zum größten Teil in Trümmern; dennoch haben sich viele Malereien in brennenden Farben teils unter diesen Schutthaufen, teils an den Toren und im Innern erhalten sowie zehn Säulen des Portikus von schönen Verhältnissen, deren Schäfte Bündel von Wasserpflanzen darstellen, die von einem Abakus gekrönt sind. Ich übergehe meinem Vorsatze getreu die von so vielen beschriebenen weiteren Details und bemerke nur, daß ich unter den Bildern im Innern unter Schutt vergraben eins fand, welches mir eine Darstellung uns unbekannter mechanischer Vorrichtungen zum Heben großer Steine zu enthalten schien und daher einer näheren Untersuchung wert sein möchte. Mehrere weniger bedeutende Reste zur Seite lassend, gelangt man nach einigen tausend Schritten zu den imposanten Ruinen eines weit größeren Tempels, welcher sonst fälschlich mit dem Namen des Memnoniums, auch Grab des Osymandias bezeichnet wurde, durch Champollion aber als der Palast des großen Ramses (der vielleicht auch den Namen Osymandias führte, wenn dieser nicht dem Memnon zukam) erkannt und nach ihm «das Ramsejum» benannt worden ist, noch nicht eine der kolossalsten, aber gewiß in ihrem Ensemble eine der ausgezeichnetsten Schöpfungen jener Wunderzeit. Auf dem Wege dahin entdeckt man schon von fern mit freudigem Staunen, mitten in der Ebene auf schwarzem Moorboden, die beiden, sich gleich Zwillingen ähnlichen, sitzenden Kolosse, von denen besonders der eine – obgleich beide denselben Fürsten darstellen – unter dem Namen der Memnonssäule so berühmt geworden ist. Ich muß sagen, daß diese Riesenbilder ewiger Ruhe, die, seit mehr als drei Jahrtausenden auf ihren Steinthronen fest gezaubert, wie in unbeweglicher Kontemplation alle die wirren Umwälzungen der Welt überdauerten, mir viel mehr imponierten als die kunstlosen Steinhaufen der Pyramiden, welche am Ende doch jeder ähnlich geformte spitze Felsen übertrifft, den die Natur in größeren Dimensionen, als die ihrigen sind, geschaffen hat. In der Ferne gesehen erscheinen die Kolosse auch noch ganz unverstümmelt, nur in ihrer Nähe beklagt man die Wut des wahnsinnigen Kambyses, der, nach Herodot, sie zerstört haben soll. Ich konnte der Begierde nicht widerstehen, zu ihrer genaueren Besichtigung sogleich von meinem Wege abzulenken, ehe ich noch das mir näher liegende Ramsejum betrat. Der jetzt unbebaute Boden war von der Hitze so tief durchgerissen, daß die Pferde kaum darüber hinschreiten konnten und mehrere Male vor den turmhohen alten Herrschern die Knie unwillkürlich beugten. Beide Bildsäulen aus hartem Sandstein und von den Arabern Thama und Schama genannt, sind 56 Fuß voneinander entfernt und haben gegen 60 Fuß Höhe. Die südliche ist aus einem Block, die nördliche dagegen, welche Kambyses angeblich in der Mitte durchsägen und den Oberteil niederwerfen ließ, ward durch fünf übereinander gelegte Steinschichten in späterer Zeit restauriert, das Gesicht blieb aber gleich dem des andern Kolosses zerstört oder ward es seitdem von neuem. Der restaurierte Teil entbehrt jenen feinen polierten Stucküberzug, mit dem die Ägypter fast alle ihre Bildwerke aus Sand- und Kalkstein und oft auch die Gebäude überzogen, wie zum Beispiel die enormen Flächen der Pyramiden zu Dschiseh es ebenfalls waren und die Spitze der mittelsten es noch ist. Diese vortreffliche Masse hat eine Dauer wie Stein und erscheint wie poliert auch hier an den Kolossen noch überall da, wo keine Ergänzung oder gewaltsame Abschlagung stattfand. Die Throne, auf denen die Könige sitzen, sind prächtig verziert mit kleineren Statuen an beiden Seiten der Lehne und einer noch kleineren, die zwischen den Füßen eines jeden Kolosses ihren Platz findet. Bilder und Hieroglyphen sind rund umher angebracht, doch alle mehr oder minder beschädigt. Daß der ergänzte nördlich stehende Koloß die sogenannte Memnonssäule ist, welche den famosen Klang bei Sonnenaufgang von sich gegeben haben soll, bescheinigen die griechischen und lateinischen Inschriften aus der Römerzeit auf seinen Füßen und dem Piedestal wie auch das sichtliche Faktum seiner Durchsägung oder Demolierung auf Kambyses Befehl. Ungefähr hundert Schritte hinter ihm liegt eine Steinmasse, die durch vieles Abschlagen jetzt einem großen Felsenstück gleicht und die man wohl für den früher abgesägten Teil der Statue halten könnte, um so mehr als man unmittelbar daneben eine Gruppe zwei kleinerer zusammenhängender Kolosse sieht, die vollkommen der Angabe der Alten entsprechen, daß die Memnonsstatue noch zwei Figuren von geringerer Größe neben sich gehabt, und mit diesen aus einem Stücke gewesen sei, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Doch können es auch (und dies ist wahrscheinlicher) die Reste eines andren Kolosses sein, deren es ohne Zweifel mehrere an dieser Stelle gab, wo einst einer der größten Paläste Thebens stand, von dem jedoch kaum die Spur noch übrig ist. Über die Authentizität der Bildsäule des Memnons sind von jeher viele Zweifel erhoben worden. Unter andern erhielt ich noch hier in Ägypten einen Brief von unserm großen Hippologen, Grafen Veltheim, dem kein Gegenstand des Wissens uninteressant ist, worin er sich auf eine Schrift seines Vaters beruft, in welcher gemeinschaftlich mit Norden behauptet wird, daß der eigentliche Memnonskoloß wahrscheinlich der im Ramsejum liegende Torso aus schwarzem Granit sei, weil Plinius und andere ausdrücklich behaupten, die Memnonsstatue sei aus diesem Stein geformt gewesen, und die Inschriften auf dem Piedestal derjenigen Statue, die man jetzt für den Memnon halte, nur deshalb dort eingeschrieben worden, weil man dies auf den Granit nicht so leicht habe bewerkstelligen können. Plinius' und Philostratus' Zeugnisse mögen allerdings zu berücksichtigen sein, wiewohl beiden viele Irrtümer nachzuweisen sind, aber wer sollte sich die Mühe gegeben haben, den umgeworfenen Koloß in seinem zerstörten Zustande in das mehr als tausend Schritte davon entfernte Ramsejum zu transportieren! Überdem trägt jener Torso keine Spur der Durchsägung oder Abschlagung in der Mitte, wie der noch stehende deutlich. Ist die Hypothese des Grafen Veltheim richtig, so muß der echte Memnonskoloß verschwunden sein oder noch vergraben im Sande liegen – die Statue im Ramsejum ist es gewiß nicht. Der Irrtum Nordens und hiernach des Grafen Veltheim entstand hauptsächlich daraus, daß Norden das Ramsejum für das Grab des Osymandias oder Memnonium gehalten hat, wovon Champollion und andere den Ungrund vollständig dargetan. Das wirkliche Memnonium (Amenophion) stand ohne Zweifel hinter den beiden Kolossen, die Hügel hinansteigend, wo auch noch viele Mauerreste aus dem Sande ragend bemerkbar sind. Möglich, ja wahrscheinlich ist es gewiß, daß in diesem, allen Nachrichten und Anzeichen gemäß außerordentlich umfangreichen Tempel noch mehr Statuen des Gründers standen, unter denen das Hauptbild wohl aus Granit als der edleren Steinart gewesen sein mag und sehr denkbar auch aus schwarzem Stein, da Amenophis III. oder Memnon selbst ein äthiopischer Schwarzer gewesen zu sein scheint. Hier aber fragt es sich nur darum, ob diejenige Bildsäule, welche zur Römerzeit die bekannten Klänge bei Sonnenaufgang von sich gab, dieselbe sei, auf der noch heute die Inschriften dies bezeugen, und darüber, glaub' ich, kann kaum ein Zweifel mehr erhoben werden, wenn die Restauration derselben auch erst in späterer Zeit stattgefunden hätte, weil Strabo und Pausanias allerdings und als Augenzeugen angeben, daß der obere Teil des Kolosses bei ihrem Dortsein auf der Erde gelegen habe. Da die Statue auch jetzt noch aus mehreren übereinandergelegten Stücken besteht und keineswegs aus einem Ganzen, wie Graf Veltheim annimmt (wenn sie auch ursprünglich aus einem Blocke angefertigt worden wäre), so liegt in Strabos und Pausanias' Aussage kein Grund gegen die Identität des von ihm an der Erde liegend und von uns wiederum zusammengesetzt und aufgerichtet gesehenen Kolosses. Dem Einwande hinsichtlich der Inschriften aber, nämlich daß man diese nur wegen des weicheren Steines auf den jetzt für die Memnonssäule gehaltenen Koloß geschrieben, könnte man die noch plausiblere Frage entgegensetzen: warum auf dem Nachbarkoloß von demselben weichen Stein keine einzige Inschrift stehe, die den Klang der Memnonssäule bezeuge? – Wer eine noch mehr in alle Details eingehende Beleuchtung dieser Streitfrage wünscht, den verweise ich auf einen Aufsatz des Herrn General Minutoli in der Beilage der allgemeinen preußischen Staatszeitung, Nr. 103, 1844, worin die Ansichten aller dieses Thema berührenden Schriftsteller von einiger Bedeutung fast vollständig zusammengestellt sind und das daraus gezogene Resultat im wesentlichen mit meiner und wohl jetzt der allgemeinen Meinung übereinstimmt. Die Piedestals, auf denen die beiden Kolosse stehen, sind gänzlich mit angeschwemmtem schwarzem Boden bedeckt, und der Stand größter Wasserhöhe in neuerer Zeit zeigt sich nach genauen Untersuchungen 7 Fuß 8 Zoll über dem Pflaster des Dromos, der sonst offen zu den Kolossen führte, während der sandige Grund unter dem Pflaster beweist, daß in der Zeit, als man die Statuen errichtete, der Nil noch nie bis hierher gedrungen war. Hieraus läßt sich leicht abnehmen, wie beträchtlich seit drei bis vier Jahrtausenden der Grund des Flusses sich erhöht haben muß und wieviel Kunstschätze daher noch unter dem Boden seiner Anschwemmungen während dieser Epoche zu finden sein möchten. Die Kolosse, welche also damals samt ihrem Unterbau auf einem dem Nil unzugänglichen, trockenen Sandboden standen, wechseln jetzt viermal im Jahre die Ansicht ihrer Basis. Entweder schauen sie, wie in dieser Epoche, aus schwarzem Moor hervor oder aus grüner Saat oder aus goldenen Ähren oder endlich aus einer unabsehbaren Wasserfläche, und wohl mag diese letztere ihrer Verwandlungen den schönsten Anblick gewähren. Viele Trümmer von andern gigantischen Statuen, Säulen usw. nebst hohen Schutthaufen, die sich bis an die westlichen Berge dahinter ausdehnen, lassen, wie gesagt, mit Sicherheit voraussetzen, daß hier ein riesiger Tempel gestanden haben muß, zu dem die beiden Königsstatuen den Eingang bildeten, ohne Zweifel das wahre Memnonium, so wie Amenophis III., dessen Ringe die Kolossen tragen, gewiß der Memnon der Römer ist, aber schwerlich diese aus der Fabelatmosphäre verschollner Zeiten auftauchende Person zugleich, wie einige behaupteten, Sesostris gewesen sein kann, wozu der große Ramses, wie Champollion überzeugend bewiesen, eine bessere Anwartschaft hat. Ich kehrte nun zu dem Palaste dieses letzteren zurück, der sich ungefähr 1200 Schritte weit in nordwestlicher Richtung von den Kolossen an das Gebirge lehnt. Hier liegt gleich hinter den halb eingestürzten Pylonen der größte und schönste Koloß Ägyptens aus Rosengranit, dessen gewaltsame Zerstörung ohne Hilfe des Pulvers fast ebenso schwierig gewesen sein muß als der Transport dieser ungeheuren Masse von Assuan hierher, die nach Wilkinsons Berechnungen in ihrem unversehrten Zustande an 5000 Zentner wog. Was von diesem staunenswürdigen Werke, welches des großen Königs eigenes Bild darstellte, übrig ist, zeigt eine höchst vollendete Arbeit und noch immer die schönste Politur. Der Kopf bietet aber leider nur noch eine unförmliche Masse dar, wovon nur ein Ohr von drei Fuß Länge intakt geblieben ist. Ebenso wohlerhalten blieb der Ring oder das Wappen des Königs auf dem linken Oberarm. Mehreren andern darum her liegenden Statuen aus Porphyr und Granit fehlen die Köpfe ganz, denn sie sind – leider erst in neueren Zeiten – sorgfältig abgelöst und in die Kabinette der Konsuln gewandert, eine Art der Verheerung, der man seufzend in jeder Gestalt und auf allen Schritten begegnet und die noch empfindlicher als die Barbaren gewütet hat, weil sie methodischer verfuhr und mit Kennerblick nur das Beste ergriff. Viele dieser Herren haben ihre Raubkampagnen in Theben mehrere Monate, ja jahrelang ausgedehnt und sich eigens Wohnhäuser dazu im Schutze der Felsen erbaut, deren noch einige bestehen und auch noch benutzt werden. Doch hat der Vizekönig dem Unwesen seitdem einigermaßen gesteuert, obwohl viel zu spät. Die Befehle sind aber, wenigstens für die kleinen Diebe, so streng, daß mir während meines viertägigen Aufenthalts in Theben auch nicht der geringste Gegenstand zum Verkauf angeboten wurde. Indes erklärt sich dies zum Teil daraus, daß ich mit Schiffen und Gefolge Mehemed Alis reiste und man deshalb den Verrat mehr fürchtete als sonst. Es ist auffallend, daß der königliche Koloß, wie das noch stehende Piedestal deutlich anzeigt – neben dem der Torso auf dem Rücken liegt –, nicht die Mitte des Hofes einnahm, sondern ganz vereinzelt und ohne Spuren eines Gegenstücks auf der andern Seite, seitwärts des Eingangs, allein stand. Aber die Ägypter zeigen sich überhaupt in ihrer Baukunst durchaus nicht als Sklaven der Symmetrie, und der vorliegende Palast bietet noch mehrere andere bedeutende Abweichungen von derselben dar. Ohne mich in eine umständliche Beschreibung desselben einzulassen, erwähne ich nur, daß man außer dem ersten Hofe noch durch zwei andere Höfe, deren bedeckte Säulengänge nach innen kolossale Karyatiden des Osiris mit den Zügen des Ramses darbieten und durch die Reste zweier Tore von schwarzem Granit in eine große Prachthalle von ursprünglich 48, jetzt nur noch 36 Säulen tritt, welche mit einer Decke von Azur übersät mit schmalen Sternen in Goldfarbe prangt. Auf den mit eingegrabenen und bemalten Bildern dicht bedeckten Säulenschäften befindet sich eine bronzefarbene Figur des Ramses, die Champollion abgegipst hat, von welcher Operation man noch die unangenehme Spur sieht. Die Wahl war vortrefflich, denn das Charakteristische des Gesichts und der Gestalt, wovon in Wahrheit «jeder Zoll ein König», läßt hier eine besonders treue Ähnlichkeit vermuten, weil sie ganz der Idee entspricht, die man sich in der Phantasie von dem jugendlichen Eroberer und dem hochgebildeten, kunstliebenden, in jeder Weise Kolossales unternehmenden und nach Vollführung des vor ihm nie Geschehenen trachtenden Helden, dem Alexander Ägyptens, im voraus machen könnte. Von den übrigen Sälen existieren nur noch zwei, deren einer, nach Champollion, ohne Zweifel die berühmte Bibliothek enthielt, da in dessen Wandbildern die Göttin Saf, die «permanente Präsidentin der Wissenschaften», wie er sie nennt, und Thoth, der Erfinder der Buchstaben und Künste, als Hauptfiguren an den Wänden paradieren. Der Tempelpalast steigt sanft den Berg hinan, weshalb Stufen von Abteilung zu Abteilung führten. Über den Säulen, Sälen und Hallen befand sich ehemals noch ein zweiter Stock, von dem nur noch einige Mauern und Fenster sichtbar sind. Dieser Oberbau diente wahrscheinlich zu Wohngemächern und Schlafzimmern für die königliche Familie, die untern Räume wahrscheinlich nur zu Versammlungen und Festlichkeiten, vielleicht auch teilweise zur Wohnung des Königs selbst. Am interessantesten in dem großen Ganzen erschienen mir die verschiedenen Darstellungen der Taten und Schlachten des Erbauers, die in gigantischem Maßstabe verschiedne der hohen Wände des Palastes bedeckten und von denen noch vier große Gemälde in mannigfachem Farbenglanze ziemlich wohlerhalten sind. Mit Recht bemerkt Herr Wilkinson, daß man beim Anblick dieser Bilder auf der Stelle an die Iliade erinnert wird und Schilderungen des trojanischen Krieges vor sich zu sehen glaubt, ja er meint sogar, daß Homer vielleicht den Inhalt seiner unsterblichen Gesänge zum Teil aus ihren Kompositionen geschöpft habe. In der Tat ist ein Leben, eine Mannigfaltigkeit, ein Reichtum der Komposition in diesen Schildereien sichtbar, die der Antike nicht nachstehen und bald die wunderlichen Eigenheiten des ägyptischen Kunststiles vergessen lassen, welcher allerdings gewisse Typen nicht nur für Götter und Menschen in bestimmten und immer wiederkehrenden Stellungen, sondern auch für Tiere, namentlich für die Schlachtrosse, angenommen hat, die zwar eine leichte Abweichung von der Naturwahrheit zeigen, aber nichtsdestoweniger in einer imposanten Weise gedacht sind. Von außerordentlicher Wirkung ist besonders eins dieser Bilder, wo der siegende Ramses, gleich dem schrecklichen Achilleus auf seinem Streitwagen vorgebogen stehend und die weithin mordenden Pfeile entsendend, eine Schar anderer Streitwagen vor sich hin über das Blachfeld jagt, deren Führer bei dem Versuch, eine naheliegende Feste zu erreichen, teils in den Fluß hinabstürzen, teils von anderen verfolgenden Truppen gefangen und grausam niedergemetzelt werden. Andere Bilder stellen Fußvolk im Lager, das Stürmen von Städten, Siegeszüge usw. dar, mit religiösen Prozessionen vereinigt, die sich jedoch, besonders abgeteilt, über den Schlachtbildern befinden. Doch Herrn Rosselinis erschöpfendes Kupferwerk stellt dies alles anschaulicher bildlich dar, so daß ich den Leser besser dorthin verweise, obgleich ich die Bemerkung hinzufügen muß, daß in künstlerischer Vollendung wie in richtiger Kolorierung mir kein Werk bekannt ist, das den ägyptischen Kunstwerken hinlänglich gerecht wird. Ich werde bei Gelegenheit meiner zweiten Anwesenheit in Theben auf diesen Punkt zurückkommen. Wir begaben uns von hier in südlicher Richtung nach einem Hügel, der abermals mit den schwarzen Resten eines koptischen Dorfes gekrönt ist, aus deren Hüttenmauern zwei Tempel und ein Palast in gelber Farbe hervorragen. Der erste dieser Tempel, an den die Römer einige Höfe angesetzt haben, und an dem auch während der Herrschaft der äthiopischen Dynastie in Ägypten ihr König Toraka oder Tiraka gebaut zu haben scheint, ist von mittlerer Größe, aber voll reizender Details, doch wird er weit übertroffen durch den ihm folgenden Palasttempel des vierten Ramses, wo man zuerst in die, jeden anderen Baustil weit überbietenden, gigantischen Proportionen ägyptischer Architektur eingeführt wird. Der vordere Pavillon des Königs, von dem ein Dromos zum eigentlichen Tempel führte, gibt nicht nur eine hohe Idee von der Pracht, sondern auch von der recherchiertesten Eleganz und Grazie jener Epoche, und erschien mir als das wahre Ideal der Privatwohnung eines Großen. Hier sind auch die Bildwerke weniger streng im heiligen Stile gehalten, und wir sehen den König in der Mitte seines Harems von seinen Weibern bedient und mit Blumen und Früchten von ihnen beschenkt, während auf der Außenwand das Schreckbild des siegenden Osiris mit der Streitaxt die wie Bündel an den Haaren zusammengehaltenen Feinde in Form des hundertköpfigen Briareus niederwirft. Kolossale Löwenköpfe schauen als Wasserabgüsse aus den Mauern wie bei den gotischen Bauten, und es ist noch manches andere an diesem Gebäude, was an das Gotische erinnert, zum Beispiel die Zinnen der Außenmauern, welche aus nebeneinanderstehenden Schildern gebildet sind und sich prachtvoll ausnehmen. Ein schönes Gemach mit vielen anmutigen Schildereien und verschieden geformten großen Fenstern, die reich geschmückt und von bunten Adlern oder Geiern auf azurnem Grunde überschwebt werden, ist fast noch ganz erhalten. Das Hauptfenster richtet sich auf das 60 Fuß hohe Tor des Tempels, und man sieht von hier durch dessen Höfe hindurch bis zu seinem äußersten Ende. Riesige Pylonen (Pyramidaltürme, die neben dem Haupttore in doppelter Breite desselben emporsteigen) voller Bilder umschließen dies Tor von rotem Granit, aus dem man in den ersten Hof tritt, dessen rechter Korridor von sogenannten osirischen Pfeilerkolossen, der andere von Säulen mit Lotoskapitälen eingefaßt wird.1) Wilkinson, dessen gründliche und tiefe Forschungen jeder Reisende mit dem größten Dank erkennen muß, der aber englische Vorurteile und orthodoxe Kleinigkeitskrämerei nicht abzuschütteln vermag, kann sich über diesen Mangel an Symmetrie, der ihn überall in Ägypten schockiert, nicht zufrieden geben und hat ein eignes Wort erfunden, um die Ägypter der «Symmetrophobia» anzuklagen. Die religiösen Skrupel machen ihm aber noch mehr zu schaffen, und er geht so weit, die ganze Chronologie der ägyptischen Königsdynastien einigermaßen gegen seine Privatansicht offiziell so zu arrangieren, daß sie mit der Zeitrechnung der Bibel nicht allzusehr in Kollision geraten, ja er schaltet sogar eine ganze Abhandlung ein, um eine Behauptung, der die Prophezeiungen Ezechiels zu widersprechen scheinen, mit diesen wieder mühsam in notdürftigen Einklang zu bringen. Wirklich, man muß bedauern, einen ernsten Forscher und Gelehrten durch solche Niaiserien gestört zu sehen. Unsere Zeit, die doch ein wahrhaft Positives im Glauben nicht mehr hat und es sich aus neuem Stoff erst wieder wird gestalten müssen, sollte sich wenigstens des einzigen Gewinnes, der ihr jetzt noch bleibt, nicht begeben – nämlich des wesentlich kritischen Geistes, der sich über veraltete Vorurteile jeder Art insoweit zu erheben weiß, daß er sie zwar als historisch Vergangenes und damals Notwendiges zu ehren versteht, sie aber auch im orthodoxen Glauben wieder aufwärmen zu wollen nur als eine vergebliche und krankhafte Bemühung ansieht. Was mir noch weniger in Herrn Wilkinsons Buch gefällt, ist seine englische Ungerechtigkeit gegen Champollion; denn obgleich er in einigen Phrasen nicht umhin kann, mit der ganzen gebildeten Welt dessen hohes Verdienst anzuerkennen, so möchte er doch gern insinuieren, daß es eigentlich der Doktor Young und die Engländer seien, welche zur Entzifferung der Hieroglyphenschrift das Eis gebrochen hätten und durch ihre «früheren Entdeckungen» die Winke gegeben, nach welchen Champollion nur weiter geforscht – was ungefähr ebensoviel sagen will, als dem Erfinder des Teekessels einen höheren Ruhm als dem der Dampfmaschine beizulegen. Es ist aber auch eine schon an sich höchst unrichtige Behauptung, da das eigentlich Wesentliche, nämlich die Entdeckung des phonetischen Elements in der Hieroglyphenschrift Champollion ganz allein zu verdanken ist und nur dadurch endlich eine systematische Analyse der letztern möglich ward, die uns in wenigen Jahren besser belehrt hat als die früheren Bemühungen der Gelehrten zu demselben Zweck in vielen Jahrhunderten2) . Später aber gibt Herr Wilkinson sogar nicht undeutlich zu verstehen (S. 55, 56 und 57), daß er sich selbst nicht für viel weniger als einen zweiten Champollion halte (wenn er auch, als façon de parler, sich vor einer solchen Arroganz verwahren will), denn er freut sich bei seinen eignen Forschungen, so häufig dieselben Resultate mit Herrn Champollion aufgefunden zu haben, «obgleich er nie mit diesem in irgendeiner Verbindung gestanden». Das kann doch nur heißen, daß er ihn nie gesehen, noch mit ihm korrespondiert habe, aber nicht, daß ihm Champollions Entdeckungen unbekannt geblieben seien, ohne deren Hilfe wohl hundert gegen eins zu wetten sein möchte, daß Herr Wilkinson trotz seiner erfolgreichen Forschungen auf eigne Hand und trotz der «early discoveries» des Doktor Young über die heilige Schreibart der alten Ägypter noch in eben dem vagen Dunkel herumtappen würde, in welchem vor Champollion ganz Europa befangen war. Ehre, dem Ehre gebührt! – Doch ich kehre zu unserm Tempel und seinem unsymmetrischen Vorhofe zurück. Mich also erfreut die Symmetrophobia der alten ägyptischen Baukunst, der sie zum Teil ihre größten Effekte und eine stete Mannigfaltigkeit verdankt. Die Griechen wie die alten Italiener haben auch nicht selten die Symmetrie beiseitegesetzt, aber echte Künstler werden es nie auf ungeschickte, das Auge wirklich beleidigende, die Harmonie aufhebende Art tun, wogegen auch bei genauesten Symmetrie verfehlte Proportionen und geschmacklose Zusammenstellung immer die Stümper verraten, wovon leider das ganze moderne Europa, aber vor allen Ländern England selbst die lächerlichsten Beispiele zu Tausenden aufweist. Die Wände der Korridors in dem erwähnten Hofe, welche zu zwei Dritteln verschüttet sind, decken Hieroglyphenreihen von einer Tiefe, die zuweilen an 5 Zoll Einsenkung beträgt. Sie sind alle bemalt, wie auch die Basreliefs auf den Pfeilern und Säulen. Durch ein anderes Pylonenpaar und sein ebenso reich geschmücktes Granittor gelangt man in den zweiten Hof, der glücklicherweise weit weniger verschüttet ist. Niemand, dem irgend einiges Gefühl für das Erhabene beiwohnt, wird ohne Bewunderung durch diese Pforte treten können. Die Größe des freien Raumes, den man vor sich sieht, beträgt zwar nur 123 zu 133 Fuß – denn die Ägypter pflegten die Plätze klein und die Gebäude groß zu machen, während wir gerade das Gegenteil tun –, aber dieser geringe Raum ist mit einem Peristyl ungeheurer Massen umgeben, östlich und westlich aus fünf Säulen, nördlich und südlich aus acht viereckigen Pfeilern mit Karyatiden, die hier unter des Osiris Form Ramses IV. vorstellen. Hinter den nördlichen dieser Kolosse, welche dem Tore gegenüberstehen, befindet sich ein Korridor von noch gigantischeren Säulen mit blauer, goldbesternter Decke, aus welcher gewaltige Adler, ihre schwarzen und gelben Flügel weit ausbreitend, herabschauen. Seine Verhältnisse wird man schon beurteilen können, wenn ich nur anführe, daß die etwas gehauchten Säulen mit schön geformten Kelchknäufen einige Fuß über ihrer Basis 23 Fuß im Umfang haben. Die lebhaften Farben vieler hundert Bilder, welche die Schäfte der Säulen sowie die hohe Schlußwand hinter ihnen bedecken, wo die großen Götter thronen, sind meistens noch wohl erhalten sowie auch die des Architravs, welcher den Hof umschließt, und die bunte, weit ausgeladene Krönung des Ganzen, welche bei allen ägyptischen Tempeln einen so eigentümlichen und grandiosen Effekt hervorbringt. Auf dem Architrav ist die Dedikation des Tempels dargestellt, in deren Hieroglyphenschrift Wilkinson (wohl mit Champollions Hilfe) unter andern las, daß der König das adytum (Heiligtum) außer seinen architektonischen Zierden auch noch mit Silber und Edelsteinen ausgeschmückt hatte. Viele der Festzüge sind höchst prächtig und instruktiv für die Kenntnis alter Gebräuche und Vorstellungen. Eine Krönung kommt unter anderem darin vor, von der symbolisch Vögel rechts und links davonfliegen, um sie nach allen Weltgegenden hin zu verkünden, was heutzutage die Zeitungen freilich noch schneller besorgen. Champollion und Wilkinson beschreiben alles dieses höchst ausführlich, wie auch die großen und herrlichen Skulpturbilder auf den Außenwänden des Tempels, deren Mannigfaltigkeit von Schlachten und Siegen zu Land und zur See, von Armeen, die gleich regelmäßig disziplinierten Truppen abgeteilt marschieren, von Legionen in die Flucht gejagter Feinde, von Gefangenen, denen man die Hände abhaut, während ein dabeistehender Sekretär die Zahl derselben verzeichnet, von Triumphzügen, Siegesopfern usw. monatelang Stoff zu Untersuchungen geben könnten, und – Ramses den Dritten oder Vierten fast als einen ebenso erfolgreichen Eroberer als seinen großen Vorfahren Sesostris darstellen. Unter einem Gemälde, das seine Rückkehr nach Ägypten darstellt, ist ihm folgende Anrede an seine Truppen in den Mund gelegt: «Überlaßt Euch der Freude, sie erhebe sich bis zum Himmel! Die Fremden sind niedergestürzt. Das Schrecken meines Namens ist über sie gekommen und hat ihre Herzen erfüllt. Wie ein Löwe habe ich mich ihnen entgegengestellt, sie verfolgt wie ein Habicht und ihre verbrecherischen Seelen vernichtet. Ich habe ihre Flüsse überschritten und ihre Festungen verbrannt. Ich bin für Ägypten eine Mauer von Erz. Du mein Vater Ammon-Ra hast es mir so befohlen, und ich habe die Barbaren verfolgt, alle Teile der Erde habe ich siegend überschritten, bis die Welt selbst zuletzt sich meinen Schritten entzog. Die Könige der Erde bezwang mein Arm, und mein Fuß zertrat die Nationen.» Man sieht, alte Eroberer sind ebenso religiös wie moderne und vergessen nie das «Tedeum» nach dem – Schlachten. Einige glauben, daß dieser König bis an das Kaspische Meer und den Oxus vorgedrungen sei, was jedoch schwer zu beweisen sein möchte. Zwei andere Höfe des kolossalen Palasttempels sind ganz verschüttet und nichts als die rechte Außenmauer derselben voll herrlicher Skulpturen noch sichtbar, durch welche die späteren Christen unbekümmert zwölf Pforten mitten durchgebrochen und, um auch ihre Kunst zu zeigen, verschiedne kleine Kreuze darüber eingemeißelt haben. Der ganze Tempel ist übrigens durchgängig mit den neueren Ruinen des koptischen Fleckens durchwirkt und überdeckt, so daß eine gründliche Wegräumung des Schuttes und Niederreißung jener schändenden Anhängsel diese prachtvollen Gebäude gewiß noch an den meisten Stellen wohlerhalten zeigen und wenigstens den Totaleffekt ihrer einstigen imposanten Schönheit wiederherstellen würden. Von der Plattform, zu der eine enge, aber sanft ansteigende Treppe führt, hat man eine umfassende Aussicht auf den weiten Raum, den das alte Theben auf beiden Seiten des Nils einnahm. In der Nähe rechts nach Süden hin erblickt man zuerst die Spuren hoher Erdaufwürfe gleich den Ufern eines großen künstlichen Sees, vielleicht desselben, über welchen die Toten gefahren wurden. Prokesch hält diese Dämme wohl irrtümlich für Reste einer Umwallung der Stadt, da sich nirgends weiter in dem mehrere Stunden betragenden Umfang derselben, den die vielen Ruinen hinlänglich bekunden, eine Spur von einer solchen Einfassung irgendwo mehr zeigt. An die Dämme schließt sich eine reiche Flur, durch welche der Nil gewunden strömt, aus einem Kranz blauer Berge herkommend, hinter denen noch in so weiter unbekannter Ferne seine geheimnisvollen Quellen sich bergen – vor sich im Osten sieht man in der Ebene die sitzenden Memnonskolosse, welche auch von hier ihren schauerlichen Geistereffekt nicht verleugnen, und jenseits des Flusses steigen hinter ihnen die alles überragenden Riesenruinen von Luxor und Karnak empor, umgeben von Wald, an dessen Saume sich in kühnen Formen das arabische Gebirge lagert. Im Norden endlich ziehen sich die früher beschriebenen Tempelreste von Gurneh und die des Ramsejums mit der öden weißgebleichten Nekropolis längs den libyschen Felsenwänden hin; in der fortgesetzten Landschaft erscheint dann aufs neue der Nil, von grünen Feldern treu begleitet, bis dahin, wo Himmel und Wüste die Erde zu verschlingen scheinen und, ihren blau und weißen Mantel niedersenkend, zwar alles Weitere dem irdischen Bilde entrücken, doch auch hier der Phantasie des Menschen noch keine Grenze zu stecken vermögen. Wir kehrten, um prosaisch zu frühstücken, in den köstlichen Tempelhof zurück und besahen dann bei Fackelschein noch einige seiner dunklen Nebengemächer, die auch in diesen Räumen, wo das Licht der Sonne ausgeschlossen blieb, mit einer unbegreiflichen Masse eingegrabner oder erhöhter Bilder geschmückt sind und für den düstern, geheimnisvollen Kultus der Priester, so gut wie vielleicht auch für seinen Mißbrauch, gewiß nicht ohne guten Grund in finstere Nacht gehüllt wurden. In einem dieser Zimmer sah ich einen Sphinx mit einem Pferdekopfe, das einzige Beispiel dieser Art, was mir in Ägypten vorgekommen ist. Man bemerkt es kaum unter solchen gigantischen Proportionen, daß in späterer Zeit die Kopten in diesem Hofe sich auch eine Kirche erbaut haben, obgleich die barbarisch geformten Diminutiv-Säulchen derselben noch rund umher aufrecht stehen. Sie verschwinden so gänzlich vor dem Gigantenbaue neben ihnen, daß sie ihn nicht mehr stören als die Fliege, welche sich auf eines Riesen Nase setzt. Für diesen Tag blieb uns nur noch die Nekropolis zu sehen übrig. Der erste Gegenstand, der hier die Aufmerksamkeit fesselt, ist ein kleiner, aber sehr zierlicher, buntschimmernder Isistempel, von der schönen Kleopatra, glaub' ich, erbaut und wie ein Boudoir aufgeputzt. In einem seiner dunkeln drei Gemächer wird der Apis auf einer großen Barke gefahren, die eine sehr deutliche Idee von der Konstruktion und Einteilung der Fahrzeuge jener Zeit gibt. Es ist schade, daß eine abscheuliche Erdmauer aus Nilschlamm, in späterer Zeit aufgeführt, dieses elegante Gebäude umschließt. Durch öde Schluchten gelangt man in einer Viertelstunde von hier neben unzähligen Katakomben vorüber zu den Gräbern der Königinnen und andrer Vornehmen, welche eine Menge Gegenstände aus dem gewöhnlichen Leben darstellen, als: Tänze, Konzerte, Jagden der mannigfaltigsten Tiere, Besuche fremder Fürsten, Mahlzeiten, alle Arten von Handwerken, Wasserfahrten, Fischereien und dergleichen mehr. In dieser Hinsicht erscheinen mehrere Gruften angesehener Privatleute oft noch interessanter als die immer mehr heilige Gegenstände enthaltenden, königlichen Gräber, und bei längerem Aufenthalt müssen sie große Aufschlüsse über manches noch Zweifelhafte der ägyptischen Vergangenheit geben. So sind wir geneigt, uns die Lösung der wichtigen Frage zuzuschreiben, ob die alten Ägypter geraucht haben oder nicht, indem wir glauben, in einem Bilde deutlich eine Gesellschaft aus langen Pfeifen Rauchender entdeckt zu haben, auch sahen wir, gegen Herodots Ausspruch, daß die Ägypter kein Schweinefleisch gegessen, ein gebratenes unverkennbares Ferkel auf der Schüssel. In der entferntesten Nische findet man oft zwei oder drei bemalte Statuen, wahrscheinlich Bilder der Begrabenen, in Lebensgröße nebeneinander sitzen, welche vollkommen unseren Wachsfiguren gleichen und auch auf keinen viel höheren Kunstwert Anspruch machen können. Das merkwürdigste an ihnen ist die beispiellose Konservation einiger derselben, die erst gestern aufgestellt worden zu sein scheinen, obgleich sie ihren Platz schon seit dreitausend Jahren hier behaupten. Noch grandiosere Grabpaläste wie auch die Spuren eines andern großen Tempels bietet das angrenzende Tal von Assasif, in dem zerbrochne Mumiendeckel, Knochen, vertrocknete Körperteile, Binden und Stöcke der feinen mit Harz getränkten ägyptischen Leinwand wie auf einem Schlachtfelde umhergeworfen sind. Eins der in Assasif befindlichen Gräber, von denen die meisten Priestern angehörten, ist ein wahres Labyrinth und selbst von größerem Umfang als irgendeine der Königsgräber in Bab-el-Melech. Seine Säle, Treppen, Gänge und Zimmer ohne Ende nehmen unter der Erde fast den Raum von zwei Morgen ein, und alle diese in ewige Nacht begrabne Hallen sind bis auf den kleinsten Winkel mit den sorgsamst ausgeführten Skulpturen bedeckt, auch mit vielen Hunderten zierlicher, kleiner Statuen geschmückt, die jedoch leider alle absichtlich zerstört, wie die Wände durch mutwillig angelegtes Feuer schwarz gefärbt wurden. Die Sarkophage selbst sind sämtlich geraubt und die tiefen Brunnen jetzt leer, in welche sie versenkt waren und neben denen zuweilen nur ein fußbreiter Weg nicht ohne Gefahr in der Dunkelheit vorüberführt. Der Besitzer dieses Grabmonumentes von so lugubrer Pracht hieß Petamunap, ein vornehmer Priester, dessen Name auch auf einem der Granittore des kleinen Tempels von Medinet-Abú, wo er als Erbauer dieses Tores genannt ist, angetroffen wird. Beide Werke zeugen von dem Reichtum der Privaten in jener Zeit, welche damals Unternehmungen ausführen konnten, die selbst unsern heutigen Herrschern zu kostbar vorkommen möchten. Wir beschlossen diesen ersten Tag in Theben mit Besteigung des Felsens hinter dem erwähnten Tempel, von dem nur noch ein Granittor und wenige Gemächer übrig sind, um noch einmal die Gegend im Rosenlicht der hinter uns sinkenden Sonne zu überschauen. Der Ausdruck «Rosenlicht» ist keine Metapher, denn die ägyptische Sonne hüllt wahrhaft an heitern Abenden alle Gegenstände, die fahle Wüste selbst, in ein schimmerndes Rot von so sanftem Glanz und blühender Frische, daß keine Beleuchtung in Europa (als etwa bei Gropius) einen hinlänglichen Begriff davon zu geben imstande ist und kein Maler ein solches Bild treu darzustellen wagen würde, noch könnte. 1) Man nennt sie allgemein so, obgleich wahrscheinlich eine andere Pflanze zu ihrem Muster gedient hat, die jedoch von den Antiquaren noch nicht bestimmt ausgemittelt wurde. 2) Bekanntlich behauptete Young fortwährend, daß die Hieroglyphenschrift nur figurativ und symbolisch sei, selbst der demotische Text der Tafel von Rosette nur aus Zeichen von Ideen bestünde, höchstens, setzt er hinzu, «mit Ausnahme jener wenigen Gruppen, die griechische Namen enthalten.» [Zweiter Tag:]Den zweiten Tag widmeten wir ausschließlich den Königsgräbern im Gebirgstale Bab-el-Melech, jenen staunenswürdigen Palästen der Unterwelt, die von allen Werken dieses außerordentlichen Volkes wenn nicht das größte, doch gewiß das eigentümlichste sind. Schon der Weg dahin hat etwas tief Ergreifendes. In das Innere des Gebirges eindringend, führt er über eine halbe Stunde lang in den Windungen einer hohen Felsenschlucht hin, die sich abwechselnd verengt und erweitert, aber nie die Breite einiger hundert Schritte übersteigt. Alle Vegetation ist hier gänzlich verschwunden, es ist schon die Wüste, aber nur eine aus sich übereinandertürmenden Felsen bestehende, und Millionen böte man vergebens für ein Gräschen in der Größe einer Stecknadel. Dagegen scheinen die unheimlich gestalteten Steinmassen das Pflanzenleben teilweise nachäffen zu wollen, denn bald gleicht eine derselben hier einem aufgeschossenen Pilze, dort einem vom Sturm abgebrochnen Stamme, bald äfft ein durchlöcherter Block versteinertes Blätterwerk nach, oder die krause Oberfläche schwarzer Abhänge erscheint in ihrer dunkleren Farbe gleich dem verworrenen Gestrüpp der Heidekräuter. Alle diese Felsen aber, diese Steine und Sandabhänge zeigen sich fortwährend wie mit einem rötlichen Schein überzogen, als seien sie angestrahlt von den Flammen irgendeines verborgnen Feuers, was die sengende Hitze, welche hier herrscht, noch mehr zu bekräftigen scheint. Über sie wölbt sich ein dunkelblauer, eherner Himmel ohne die Spur eines vorüberziehenden Wölkchens – denn mit dem Leben hat auch jede Bewegung hier aufgehört, selbst am Himmel, nur Farben deuten noch auf Belebtes hin wie in den bunten Wundergräbern selbst, deren unterirdische Pracht sich uns nun bald eröffnen wird. Ein spitzer Berg erhebt sich plötzlich höher als alle übrigen, ihn stützende, wallartige Felsengewände treten in langen, senkrecht abstürzenden Mauern daraus hervor, und unter ihnen werden hie und da einige schmale, zum Teil halb verschüttete Eingangspforten, wie zu Felsenkellern hinabführend, sichtbar. Wer ahnte, was hier verborgen liegt und daß diese unscheinbaren, ungeschmückten Öffnungen, die man kaum bemerkt und die früher absichtlich dem Auge durch davor aufgetürmten Schutt ganz verborgen worden waren, zu Palästen der Nacht im Schoße der Erde führen, die, obgleich sie nie bestimmt waren, von menschlichen Augen gesehen zu werden, dennoch eine Welt von unsäglicher Arbeit, zauberischer Pracht und höchster Kunst entfalten sollten. Gewiß ist dies das einzige Beispiel, daß Menschenwerke mit kolossalem Kraftaufwand geschaffen wurden, nur um sich allein zu genügen gleich der ewigen Natur selbst, unbekümmert, ob je ein lebendes Wesen ihnen die schuldige Verwunderung zolle. Dem Tode allein, der Nacht und ewigen Verborgenheit blieben sie geweiht. Doch die folgenden Maulwurfsgeschlechter, voll Unruhe und Habgier, ließen ihnen die gewünschte Ruhe nicht. Alles ward durchwühlt, geschändet, beraubt von einer Nation nach der andern, dann wieder Jahrhunderte vergessen und wieder geöffnet und so fort bis auf unsere Zeiten. Dennoch ist es problematisch, ob alles, was diese weiten Felsenschluchten bergen, aufgefunden worden ist. Strabo zum Beispiel gibt vierzig Königsgräber in diesem Bezirke an, und jetzt sind nur noch siebzehn bekannt, die alle mehr oder weniger gelitten haben. Nur das von Belzoni entdeckte, obgleich schon früher einmal unvollständig geöffnet, war in der Hauptsache ganz intakt geblieben und ist auch jetzt noch von allen eben dieser besonders unschätzbaren Erhaltung wegen das merkwürdigste. Leider haben indes die wenigen, seit Belzonis glücklichem Fund verflossenen Jahre schon so greuliche, wenngleich nur partielle Verwüstungen durch Kunstfreunde mit sich geführt, daß, wenn es so fortgeht, auch dieses Grab bald vor den andern nichts mehr voraus haben wird. Ich tadle dabei nicht einmal so sehr das Genommene – denn die Versuchung ist stark, und kein Eigentümer war mehr vorhanden –, sondern nur die unverantwortliche Barbarei, mit der man zum Beispiel ganze Pfeiler und Gemälde zerschlug, um einen einzigen gemalten Kopf davon abzulösen; eine ganze Wand mit der kunstreichsten Hieroglyphenschrift unleserlich machte und ihren herrlichen Effekt verdarb, um sich ein paar auffallende Figuren davon herauszureißen; mit den schönsten Bildern und Zierden bedeckte Vorsprünge in den Gemächern zertrümmerte, um zu sehen, ob nicht etwas dahinter verborgen sei; ja mutwillig die größten Kunstwerke der Bildnerei abschabte und abblätterte, um die Natur des aufgetragnen Stucks und der Farben zu untersuchen; oder gar die bewunderungswürdigsten Gruppen, die reizendsten Gestalten wählte, um quer durch sie hindurch einen vermaledeiten Namen einzumeißeln, der mit schamloser Brutalität sich hier selbst an den Pranger stellt. Es gehört wahrlich stoische Philosophie dazu, wenn man dergleichen in jedem Raum wiederholt antrifft, sich dadurch den Genuß an den zauberischen Wunderwerken, die man vor sich sieht, nicht zur Hälfte verleiden zu lassen. Zu einigen dieser Totenpaläste muß man tiefe und steile Treppen mühsam hinabsteigen, zu andern sich über Schutt und Steine fast hinabkollern lassen, einige senken sich aber nur allmählich und bieten sogleich (manche selbst noch im Schein des Tageslichts, das durch den jetzt weit geöffneten Eingang in Fülle eindringt) eine Reihe von Sälen und prachtvoll eingefaßten hohen Türen dar, die, sich fast unabsehbar in grader Linie ausdehnend, bei ihrem ersten Anblick ganz den Festlokalen, den sogenannten großen Appartements in den Hotels und Schlössern unsrer Fürsten gleichen. Viele andere Gemächer und Galerien befinden sich außerdem noch an beiden Seiten, aber erst am Ende des Ganzen, gewöhnlich in dem größten und am reichsten geschmückten der Säle steht des Königs riesiger Granitsarkophag als Schale des inneren, reicheren, in dem der Körper lag. Mehrere von diesen wurden weggeschleppt; die gebliebnen sind alle zerbrochen und ihres Inhalts beraubt worden. Es ist gewiß, daß die meisten dieser glänzenden Wohnungen der Toten, wenn man sie in Europa ans Tageslicht bringen könnte, jedem neuernannten konstitutionellen Minister oder eben in der Hauptstadt angelangten Ambassadeur höchst erwünscht als Hotels erscheinen würden. Denn hier ist nichts von jenen niedrigen und engen Fuchsgängen der Pyramiden, die man nur gebückt oder auf dem Bauche kriechend passieren muß, noch jenen elenden schwarzen Steinlöchern derselben, zu ehrerbietig von uns Zimmer genannt. Alles atmet hier Größe, Bequemlichkeit und Schmuck. Während aber in unsern Prunksälen meistens nur nichtssagende seidne oder gar papierne Tapeten die Wände decken und hie und da in goldigem Rahmen einige mittelmäßige Gemälde und Kupferstiche daran aufgehangen sind, bilden hier Wände, Decken, Säulen und Pfeiler eine fortlaufende Kette unzähliger Bilder und Skulpturen höchsten Kunstwertes von der mannigfachsten Art, von den verschiedensten Größen, Farben und Kompositionen, und alle diese Bilder, die das Auge und die Phantasie so lebhaft ergötzen – sind zugleich eine Sprache, ein wörtlicher oder bildlicher Ausdruck der vielseitigsten, ja vielleicht der erhabensten Ideen, die ebenso innig unser Gemüt wie unsern Verstand ansprechen würden, wenn wir sie alle zu entziffern verständen. Doch fehlt es auch nicht ganz an bloßen Formzierden, wie wir sie gewohnt sind, und bewunderungswürdig ist auch bei diesen Mustern die Originalität, der feine, geläuterte Geschmack und vor allem die kunstreiche Zusammenstellung der Farben, worin die Ägypter allen andern Nationen überlegen gewesen zu sein scheinen. Die dadurch hervorgebrachten Effekte eröffnen dem Farbensinn ein ganz neues Feld, und ich sehe die Zeit schon im Geiste, wo nicht nur Künstler und Dekorationsmaler, sondern auch die «commis voyageurs» unsrer Fabrikherren, in deren Fach dergleichen schlägt, nach Theben kommen werden, um Studien dieser Art hier in den Königsgräbern für Kaliko, Gingan usw. obzuliegen. Dem Direktor einer Indiennefabrik in Kahira gab ich bereits einen solchen Wink, um seine bisher von Elberfelde bezognen Dessins etwas nationaler zu machen – und er ergriff ihn mit so viel Feuer, daß wir vielleicht bald unsern leider immer schlechter werdenden Geschmack auch auf Kattun und Zitz vom modernen und antiken Ägypten zugleich durch gutes Beispiel verbessert sehen werden. Herr Wilkinson hat die Königsgräber numerieren lassen, was für die Reisenden bequem ist, und ich werde mich bei den kurzen Notizen, die ich über einige derselben zu geben beabsichtige, dergleichen Bezeichnung bedienen. No. 11, die Ruhestätte Ramses III., Erbauers des gestern beschriebnen großen Tempels zu Medinet-Abú, scheint mir eins der prachtvollsten und in seinen Skulpturen und Malereien kunstvollsten dieser Gräber zu sein, hat aber leider durch einst hier eindringende Wasserströme, deren nun verstopftes Bett man noch deutlich vom Eingange aus verfolgen kann, und die daraus entstandene, fortdauernde Feuchtigkeit unsäglich gelitten. Da es jetzt fast nie hier regnet, kann man sich kaum erklären, wo diese Wässer hergekommen sind. Die Länge der Zimmer-, Galerien- und Säulenreihen in diesem Grabe beträgt 405 Fuß bei einem nur schwachen Fall von 31 Fuß auf diese ganze Distanz. Glücklicherweise sind eine Menge kleiner Seitenzimmer, bei denen das Wasser vorüberfloß, weit besser erhalten, und grade die Schildereien in diesen geben uns den interessantesten Aufschluß über Sitten und Gebräuche der alten Ägypter, über ihre Waffen, Möbel, Utensilien, Instrumente und andere Dinge der verschiedensten Art. In einem dieser Gemächer sehen wir zum Beispiel die Abbildung aller Formen der damals üblichen Nilfahrzeuge, einige mit großen quadrierten Segeln in den jetzigen französischen Nationalfarben und mit den reichsten Zieraten versehen. In einem andern bewundert man die Eleganz ägyptischer Möblierung. Viele der Fauteuils, Bettstellen und Ruhebetten, die letzteren unsern «Chaises longue» ganz ähnlich, möchte man aus einem Londner oder Pariser Modejournal kopiert glauben. Sie stellen sich fast sämtlich als von Holz, selten von Metall und häufig mit vergoldeter Bronze verziert wie mit reichen Zeugen beschlagen dar. Ebenso geschmackvoll erscheinen mehrere Echantillons von Porzellanvasen, Krügen und Wasserbecken, Körben, Teppichen, Decken von Leopardenfellen usw. In dem Zimmer der Waffen bemerkt man viele blaue Klingen, was einen Zweifel an der Behauptung erregen möchte, daß die Ägypter Stahl und Eisen nicht gekannt und ihre Waffen von Bronze gemacht haben sollen. Auch Küche und Keller mit den Funktionen des Kuchen- und Brotbackens werden uns im größten Detail vorgeführt. Man sieht schlachten, kochen und braten, Wein abziehen usw. Mannigfache Produkte des Landes füllen ein anderes Zimmer, wie Musikinstrumente ein anstoßendes, wo zwei blinde Sänger sich auf Harfen akkompagnieren, die von den noch jetzt bei uns üblichen nur wenig verschieden sind; Ackerbau und Gartenkunst werden in einem folgenden Gemache detailliert. In jedem dieser Zimmer war ein in den Boden eingelassenes Grab, und Herr Wilkinson stellt die artige Hypothese auf, daß hier immer derjenige respektive Diener vom Haushalte des Königs begraben lag, dessen Beschäftigungen im Leben den erwähnten Darstellungen analog gewesen waren. Selbst der äußere Granitsarkophag des Königs fehlt in seiner ganz durch die Feuchtigkeit zerstörten Grabhalle. Er ward von Herrn Salt entführt. Übrigens bleibt es noch sehr problematisch, ob die Könige wirklich jemals in diesen ostensiblen Särgen gelegen haben. Vielleicht dienten diese nur dazu, um desto sicherer über ein so heiliges Depot irrezuführen, und es könnte daher wohl sein, daß alle diese weitläufigen Grabmonumente noch sorgsam verborgne, geheime Räume enthielten, die so künstlich und auf so solide Weise dem Auge entrückt sind, daß nur der Zufall vielleicht einmal zu einer Entdeckung eines derselben führen mag. Das früher bereits erwähnte, von Belzoni aufgefundene Grab No. 17 gibt darüber schon einige bedeutende Winke. Dies wegen seiner fast unglaublichen Frische ohne Zweifel belohnendste von allen ist nicht so bequem zu erreichen als das vorhergehende. Man muß, was bei der hier herrschenden dumpfen Hitze immer beschwerlich wird, eine fast perpendikuläre, noch immer ganz mit Schutt angefüllte Treppe von 24 Stufen hinabklettern, die Belzoni vermauert und durch davor aufgekastetes Steingerölle versteckt fand. Hierauf kommt man in einen Gang, der 19 Fuß lang und 9 Fuß breit ist; dann geht abermals eine Treppe von ungefähr gleicher Tiefe als die vorige hinab, hinter der man durch einen 30 Fuß langen Korridor und zwei sich folgende Tore in eine Halle von 14 zu 12 Fuß gelangt. Hier zeigte sich Belzoni, als er soweit gekommen, nur ein tiefer Brunnen, der das Ende des Ganzen zu sein schien. Alle Wände desselben waren mit zusammenhängenden, auf das sorgfältigste ausgeführten Bildern bedeckt, was gewiß an dieser Stelle keinen ferneren Eingang vermuten lassen konnte. Doch Belzoni, der von der Natur eigens zu einer Bestimmung dieser Art geschaffen zu sein schien und materiell wie Champollion geistig von allen Reisenden bei weitem die größten Resultate in Ägypten erreicht hat, ließ sich so leicht nicht abschrecken. Eine Spalte in der Mauer und ein hohler Klang gaben ihm die Richtung, in der er sich mit Anwendung eines alten Palmstammes als Mauerbrecher durch die Götterbilder (hier mit Recht zerstörend) einen Weg bahnte, und man kann sich die freudige Überraschung des Beharrlichen denken, als ihm durch die gewaltsam gemachte Bresche sogleich die unberührte Farbenpracht eines Zimmers von 26 Fuß Durchmesser beim Schein der Fackeln entgegenglänzte. Vier massive Pfeiler tragen dies köstlich verzierte Gemach, dem ein andres von gleicher Größe unmittelbar folgt. Wenn das erste durch seine vollendete Pracht entzückt, so gewährt das andere noch ein höheres Interesse für uns, eben weil es unvollendet geblieben ist und uns dadurch in die von den ägyptischen Künstlern angewandte Technik einweiht, zugleich aber den höchsten Begriff von ihrer Gewandtheit, Korrektheit und Sicherheit im Zeichnen gibt. Es scheint fast, daß in dieser ägyptischen Kastenwelt wenigstens häufig so verfahren wurde, daß auf der geglätteten Wand der Bildhauer zuerst mit Rötel in flüchtigen Skizzen die Sujets angab, worauf der Zeichner in scharfen schwarzen Umrissen, deren kühne Festigkeit wahrhaft in Erstaunen setzt, alle Figuren tracierte, welche wahrscheinlich hierauf erst vom Bildhauer in Basreliefs umgewandelt und zuletzt vom Maler koloriert wurden. Man steigt jetzt abermals eine Treppe hinab mit erhöhten Korridors zu beiden Seiten und erreicht nach der Besichtigung mehrerer Zimmer von verschiednen Größen – alle so voll der vortrefflichsten Skulpturen und Malereien, daß man in wochenlangem Studium sie nicht erschöpfen würde, und die, wo Menschen sie nicht beschädigten, von der Zeit ganz unberührt geblieben sind – die große Halle von 30 Fuß ins Gevierte, welche sechs Pfeiler tragen. Aus dieser tritt man in einen gewölbten Saal, 30 Fuß lang und 19 Fuß tief, in dessen Mitte in einem Gehäuse von Granit der berühmte Sarkophag aus orientalischem Alabaster stand, dessen Inneres aber leer war. Unmittelbar an diesen schließt sich, von Mauerwerk früher künstlich verdeckt, eine Treppe, die in einen absteigenden Gang führt, welcher dermalen noch 150 Fuß tief in das Herz des Felsens niedersteigt, wo er eingestürzt ist. Wohl möglich, daß dieser mit Theben kommunizierte und seine Wiederherstellung zu überraschenden Resultaten fuhren könnte. Doch nur Mehemed Ali wäre fähig, eine solche Untersuchung auszuführen, wozu er schwerlich zu bewegen sein möchte. Dergleichen bleibt einer spätern Kulturstufe Ägyptens vorbehalten, die dann, trotz der Räubereien und Zerstörungen so vieler Jahrhunderte, sich noch ein reiches Feld ganz neuer Entdeckungen in der Erde Eingeweiden öffnen wird. Bis zu der Stelle, wo der eben erwähnte eingestürzte Gang sich vorfindet, ist dieses Grab 180 Fuß tief, und seine horizontale Länge beträgt 320. Es barg nach Champollion oder birgt noch an unbekannter Stelle den König Osirei, des großen Ramses Vater, wie die langen Hieroglyphenreihen im ersten Korridor und die Ringe des Königs am Eingang aussagen 1) . Eins der auffallendsten Bilder in der ersten Halle sind die porträtierten Darstellungen verschiedner Nationen, unter denen trotz Wilkinsons Widerspruch die Juden durchaus nicht zu verkennen sind, obgleich es wohl möglich ist, daß sie zugleich als Repräsentanten einer größern Abteilung der Erdbewohner hier gelten sollen, denn auch die Araber sind nur Juden zu Pferde. Die Kunst zu charakterisieren besaßen überhaupt die Ägypter in hohem Grade, und ein humoristischer Hang zur Karikatur wird nicht weniger in ihren Kompositionen sichtbar. So fand ich eine Hinrichtung, wo der Scharfrichter, über sein Opfer gebeugt, ganz die Stellung und den sentimentalen Ausdruck eines Vaters hatte, der seine Kinder segnet, während er sie in die andere Welt zu befördern im Begriff ist. Ein anderer seiner Kollegen hieb dagegen so furchtbar mit seinem breiten Schwerte zu, daß drei schon vorher expedierte Verbrecher noch ruhig auf den Knien lagen, ohne daß irgendwo eine Spur ihrer Köpfe am Boden sichtbar ward, als seien diese zu weit weggeflogen, um sie auf demselben Bilde noch mit darstellen zu können. Die Mysterien der Zeugung sind ebenfalls seltsam behandelt, worunter ein Franzose grobe, zynische Anmerkungen geschrieben hatte. Einige Bilder scheinen fast auf Menschenopfer hinzudeuten, und andere beziehen sich auf uns jetzt ganz unverständliche Mysterien. Viele der größeren Gruppen, meist opfernde Könige und thronende Götter darstellend, sind von so hoher Vortrefflichkeit, daß sie den berühmtesten Künstlern aus den besten Zeiten der Kunst Ehre machen würden, und besonders mußte ich über die Mannigfaltigkeit im Ausdruck der Physiognomien erstaunen, welche die Schöpfer dieser Werke bei einer immer fast gleichen Stellung des Kopfes im Profil dennoch dem Antlitz ihrer Figuren zu geben gewußt hatten, ein wahrhaft Raphaelischer Reichtum der Gestaltung. Abgerechnet dem unbestreitbaren hohen Kunstwert dieser Leistungen, ist die in allen Zimmern ganz voneinander abweichende Einteilung und Disposition derselben sowie die sinnige Farbenwahl, auch zugleich als bloßer Schmuck und Dekoration betrachtet, mit einer wunderbaren Sagazität berechnet, wobei selbst die Hieroglyphentexte zugleich als die elegantesten Zierden für die Zimmer dienen. Ich bin überzeugt, daß selbst eine Person, die von reinem Kunstgenuß gar keinen Begriff hätte, dennoch aus diesen Räumen bloß hinsichtlich der lieblichen Ausschmückung und der entzückenden Farbeneffekte den angenehmsten Eindruck mit sich hinwegnehmen würde. Jedes Gemach hat seinen ganz eigentümlichen Charakter. In der großen Halle zum Beispiel ist der Grund gleich mattem Golde, die Bilder weniger bunt; in den Seitenzimmern der Grund weiß mit der variiertesten, doppelt reichen Farbenpracht; in dem Saal des Sarkophages schwarz mit blaß gelbrötlichen Bildern, die nur an sehr wenigen Orten durch das brennendste Bunt in den weitgespreizten Flügeln des königlichen Adlers gehoben werden. Die Fülle der Figuren und fremdartigen Gegenstände aller Art in diesem letzteren Saal, ihre mysteriöse Seltsamkeit und ihr fahler Schein auf dem nächtlichen Grunde machen eine unbeschreibliche Wirkung, die noch schauerlicher gewesen sein muß, als der transparente, vielleicht erleuchtete Alabastersarg in des Saales Mitte stand. Man machte, wie mir mein alter Führer erzählte, diesen Versuch vor der Abführung des Sarkophags nach England, indem man mehrere Fackeln hineinstellte, den Rest des Saales dunkel ließ, aber alle übrigen Zimmer durch Lichter, die an Festons von Stricken befestigt wurden, reich erleuchtet hatte – eine «chambre ardente», wie sie selten wieder zu betrachten sein wird. Welche Pracht mögen aber erst die Zeremonien der Priester Ägyptens in einem solchen Lokale entfaltet haben, zu dem sie vielleicht auf unterirdischem Wege aus Theben hinaufstiegen, um des Königs Leiche die letzte Ehre zu erweisen und bis zur Auferstehung nach vielen Jahrtausenden vor jedem Blicke der Profanen zu bewahren. Über die Verwüstungen, welche die «Liebhaber» hier verübt, sprach ich bereits; der Himmel oder die unterirdischen Götter mögen diese unschätzbaren Überreste alter Größe in Zukunft besser bewahren und die Stehlenden wenigstens mit mehr Gewissenhaftigkeit und Ökonomie dabei zu Werke gehen! Mit diesem frommen Wunsche schließe ich meine Beschreibung, die, wenn sie dem Leser zu lang vorgekommen ist, ihm wenigstens durch die kürzeste Erwähnung aller noch übrigen Königsgräber vergütet werden soll. Nachdem wir ein halbes Dutzend derselben besucht hatten, wählten wir eins, das in seinen Proportionen zu den großartigsten gehört, obgleich es weniger ausgedehnt ist, zu unsrem Speisesaale aus. Währenddem dies vor sich ging, bereitete mein Dragoman Giovanni eine sonderbare Überraschung; denn als wir nach beendeter Mahlzeit in das Innere vordrangen, das sich nur sehr wenig senkt, erblickten wir schon von weitem den enormen Granitsarg, den einzigen zu Bab-el-Melech, der fast ganz erhalten ist, und mitten darauf eine Inschrift mit ellenlangen Buchstaben in schwarzer Ölfarbe. Es war wirklich mit einigem Entsetzen, daß ich in dieser meinen eigenen Namen auf dem Sarge entzifferte, dem sogar oben in der Schnelligkeit eine Wappenkrone und unten mein mystisches Glaubenszeichen beigefügt worden waren. Wäre ich nur noch ein wenig abergläubischer als ich es schon bin, so hätte mir dies als ein funestes Omen gelten können, so überwand das Lachen der Ärger, doch verlangte ich die Auslöschung der «untoward inscription». Es war aber nur möglich, die Krone zu entfernen, der Name widerstand allen Bemühungen, und es bleibt mir daher nichts übrig, als den alten Herrscher Ramses V., dem das Grab gehört, hiermit feierlichst zu bitten, es mir nicht entgelten lassen zu wollen, wenn mein Name sich so ungebührlich, aber wahrlich ohne meine Schuld, auf seinem königlichen Sarkophage «eingeschwärzt» hat. Wir beendigten nachmittags bei nicht geringer Hitze die Untersuchung des vollen Dutzends und nahmen darin unsern Rückweg in der Abendkühle, größtenteils zu Fuße quer über die romantischen Felsen hinweg, wo es an senkrechten Abgründen von mehreren hundert Fuß Tiefe und Aussichten bis in die weiteste Ferne nicht fehlte. Hiermit waren Thebens Wunder am linken Nilufer besichtigt. Erst im Dunkel der Nacht nahm uns Erschöpfte und vor Durst fast Verschmachtete die friedliche Barke wieder unter ihrem Zeltdache auf und wiegte uns sanft in der goldglänzenden Mondnacht nach dem rechten Ufer hinüber. Was ich nun noch über die Gräber der Könige zu sagen haben könnte, verspare ich auf den zweiten Besuch bei meiner Rückkunft, um weder auf einmal zu sehr zu ermüden, noch der historischen Behandlung meiner Reise untreu zu werden, welche ich deshalb vorziehe, weil ich eben nicht die Absicht habe, Kompendien zu schreiben, sondern nur die Geschichte des von mir Erlebten zu geben und vom Selbstgesehenen auch dem Leser den möglichst lebendigen Totaleindruck in derselben chronologischen Ordnung zurückzulassen. 1) Der Alabastersarg, den Champollion aus diesem Grabe entführte, war leer.
[Dritter Tag:]Großes war in diesen Tagen an uns vorübergegangen, doch Größeres noch stand uns bevor! Vor Luxor und Karnak muß der stolzeste Geist sich beugen. Man glaubt Werke von Halbgöttern zu erblicken, denn die jetzigen Menschen sind ihrer nicht mehr fähig. Wenn bei den übrigen Schöpfungen der Bewohner dieser Erde die Einbildungskraft immer noch höher fliegen will, so kann sie hier kaum der Wirklichkeit mehr folgen. Man fühlt sich in demselben Augenblick zugleich entzückt und gedemütigt von einer Erhabenheit und Größe, deren Möglichkeit man nie geahnet, von einer Vollendung, die, mit dem Ungeheuersten der Massen spielend, zugleich das Edelste und Schönste in Kunst und Idee wie die staunenswerteste Technik in der Ausführung damit zu verbinden gewußt hat. Schon der Palast von Luxor findet seinesgleichen nicht mehr in der übrigen Welt, und doch ist er nur klein noch gegen die Riesenwerke von Karnak! Wie viele Jahrtausende haben vergehen müssen, ehe ein Volk zu diesem Grade der Kultur, der Macht und der Kunst sich aufschwingen konnte, und welchen eigentümlichen Weg muß diese Bildung genommen haben, die schon in vorgeschichtlicher Zeit die Pyramiden baute und anderthalbtausend Jahr vor unsrer Ära die Wunder von Theben erschuf. Und doch sieht man, daß, als sie die höchste Staffel, deren sie fähig war, erstiegen hatte, sie, ob aus Weisheit oder aus einer Notwendigkeit ihrer Natur, anhielt und das Gewonnene, es gleichsam versteinernd, durch einen heiligen Stil, durch eine feste Norm, die nicht nur die Kunst, sondern das ganze Leben umfaßte und von dem keine Abweichung mehr gestattet wurde, durch lange Jahrhunderte noch zu erhalten wußte, dadurch aber vielleicht das einzige Mittel fand, einem nie endenden Streben nach unerreichbarer Vollkommenheit zuvorzukommen, jener ewigen Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, die unsere Zeit namentlich so auffallend charakterisiert und ihr bis jetzt mehr Stützen zu rauben als neue zu schaffen scheint. Jede Art menschlicher Ausbildung hat im einzelnen, bei Nationen wie Individuen, wohl ihre Grenze, über die sie nicht hinaus kann. Ist dieser Kulminationspunkt erreicht, so muß sie ihn vielleicht durch irgendeine angewandte positive Macht zu fixieren suchen, und gelingt ihr dieses nicht, sich mit Resignation auf den unvermeidlichen Rückgang aller menschlichen Dinge vorbereiten. Will man noch höher und immer höher gewaltsam steigen, so versinkt man nur desto schneller in jene Barbarei, die nicht die Barbarei der unwissenden Roheit, sondern die des Zuvielwissens und der Erschöpfung ist. Ich halte den Ausspruch für nicht ganz wahr, daß man nur vorwärts schreiten oder rückwärts gehen müsse. Die Geschichte der Völker, ja das eigne innere Leben lehrt uns, daß, wenn auch nicht für immer, doch für eine lange Periode auch ein Stillstand möglich sei; doch allerdings ist er nur da, wo wirklich schon eine höchstmögliche Stufe individueller Ausbildung erreicht wurde, wünschenswert. Freilich findet sich im absoluten Sinne Unvollkommnes, Unerreichtes auch auf der höchsten Stufe irdischen Strebens, und Unvollkommenes wird sich daher auch in der ägyptischen Kunst wie in jeder andern nachweisen lassen, aber wie sie sich in dem möglichen Bereich ihrer Laufbahn vollendet darstellt und wie lang sie sich darin erhalten, bleibt immer ein Gegenstand der höchsten Bewunderung, ein staunenswertes Abbild der imposantesten menschlichen Größe für alle Zeiten. Um jedoch den rechten Gesichtspunkt zu fassen, aus dem sie zu betrachten sein dürfte und ohne den sie nicht verstanden werden kann, erlaube man mir hier eine der geistreichsten und tiefsten Stellen Champollions anzuführen, deren schlagende Wahrheit an Ort und Stelle sogleich ganz gefühlt wird. Ich darf als bekannt voraussetzen, daß alle Tempel und Königspaläste Ägyptens innerhalb wie außerhalb teils mit Hieroglyphenschrift, die sonst jeder einigermaßen Gebildete zu lesen vermochte, teils mit historischen Darstellungen aus der Geschichte des Landes, teils auch mit Anaglyphen, das heißt symbolischen Bildern, die abstraktere Gegenstände bezeichneten, bedeckt waren. Die letzteren, deren vollständige Lösung unmöglich sein möchte, machten wohl die eigentliche geheimnisvolle Priestersprache aus, welche den Eingeweihten allein verständlich war, dem Laien aber nur Abbildungen der Götter und Heroen, vom Nimbus ehrfurchtsvoller Anbetung umgeben, darstellte. Doch blieben auch diese allegorischen Gemälde wahrscheinlich immer in einem gewissen Zusammenhang mit der Hieroglyphenschrift. Beide hatten sogar eine Anzahl gemeinsamer Charaktere, und die symbolischen Zeichen in der Hieroglyphenschrift gehörten dahin 1) . «Es gab also», sagt Champollion, «theoretische und materielle Beziehungen, welche die verschiednen Teile des allgemeinen graphischen Systems der Ägypter miteinander verbanden. Dieses so ausgedehnte System, figurativ, symbolisch und phonetisch zugleich, umfaßte, direkt oder indirekt, alle Künste, die sich auf Nachahmung gründen. Das Prinzip dieser Künste war daher in Ägypten keineswegs dasselbe, welches in Griechenland ihre Entwicklung bedingte. Die ägyptische Kunst hatte nicht den speziellen Vorwurf, die schönen Formen der Natur mit möglichstes Treue darzustellen – sie strebte nur nach dem Ausdruck einer ihr eigentümlichen Ordnung von Ideen und sollte nicht das Andenken bloßer Formen, sondern das der Menschen und der Dinge verewigen. Der ungeheure Koloß wie das winzigste Amulett waren die festen Zeichen einer Idee; wie vollendet oder mittelmäßig ihre Ausführung war, der Zweck war in der Hauptsache immer erreicht, da die Vollkommenheit der Form, wenngleich später auf das edelste ausgebildet, doch nur sekundär blieb. In Griechenland war dagegen die Form eben alles, man diente der Kunst nur um der Kunst willen. In Ägypten war sie nur ein mächtiges Mittel, den Gedanken zu verkörpern. Die geringste Zierde ägyptischer Architektur hat ihre eigne Bedeutung und steht in direktem Bezug zu der Idee, die der Gründung des ganzen Gebäudes zum Grunde lag, während die Ausschmückungen griechischer und römischer Tempel zu oft nur dem Auge zu schmeicheln suchen und für den Verstand stumm bleiben. So zeigt sich der Geist beider Völker ganz verschieden. Die Schrift und die nachahmenden Künste trennten sich bei den Griechen bald und für immer, aber in Ägypten schritten die Schrift, die Zeichenkunst, die Malerei und Skulptur stets in gleicher Linie ein und demselben Zwecke zu, und wenn wir den individuellen Zustand einer jeden dieser Kunstäußerungen betrachten und besonders die Bestimmung, welche alle ihre Leistungen gemeinschaftlich hatten, so kann man mit Recht sagen, daß alle sich nur in eine verschmolzen, in die Kunst par excellence – die der Schrift. Die Tempel, wie es schon ihr ägyptischer Name anzeigt2), waren, wenn ich mich so ausdrücken darf, nichts als kolossale und prachtvolle Repräsentativcharaktere für die himmlischen Wohnungen; die Statuen, Bildnisse der Könige und Privaten, die Basreliefs und Malereien, welche die Szenen des öffentlichen wie des Privatlebens zurückriefen, traten ganz in die Klasse der Figurativzeichen; und die Abbildungen der Götter, die Embleme abstrakter Ideen, die allegorischen Zierden und Bilder, die lange Serie der Anaglyphen endlich knüpften sich auf die direkteste Weise an das symbolische Prinzip der Schrift an. Diese innige Verbindung der schönen Künste mit dem graphischen System der Ägypter erklärt uns nun auch ohne Mühe den Grund der naiven Einfachheit, in welcher trotz der höchsten Vollendung auf ihrem eigentümlichen Wege Malerei und Skulptur dennoch bei ihnen verblieben. Die Nachahmung physischer Gegenstände bis zu ihrer deutlichsten Erkennung war schon zum vorgesteckten Ziele hinlänglich; eine größere Idealisierung in der Ausführung konnte der Klarheit des beabsichtigten Ausdrucks nur wenig hinzusetzen, eine willkürliche Veränderung in der Form würde sie sogar verwirrt haben, da Bilder und Skulpturen nur wahre Schriftzeichen waren und sein sollten, fast immer mit einer umfassenden Komposition zusammenhängend, in der sie selbst nur als einzelne Elemente dastanden.» So weit Champollion. Ohne nun untersuchen zu wollen, ob die Ägypter in einer solchen Kunstansicht recht hatten oder nicht, so ist das Faktum ihrer Existenz nicht zu leugnen, ebensowenig wie die dadurch erlangten Resultate, welche, wie wir sie vor uns sehen, in ihrer Totalität in keinem andern Lande übertroffen worden sind. Ja – die Ägypter waren in Wahrheit eine wesentlich schreibende Nation, wie wir es auch geworden sind, nur mit dem Unterschiede, daß sie mit tausend malerischen Zeichen, welche das ganze Reich der Natur und der Menschheit umfaßten, ihre Geschichte, Gesetze, Philosophie, mit einem Wort: ihr Leben in dauernden Stein gruben und zu diesem Behuf entweder, das Innere der Paläste in Felsen aushöhlend, diese zu Palästen umschufen oder die Felsen selbst ablösten, um sie an andern Orten wieder als Paläste hinzustellen. Und hier ist es, auf diesen Riesendenkmälern vergangner Jahrtausende, daß wir jetzt noch ihre Schriften lesen, deren Charaktere wir zu gleicher Zeit als hohe Kunstgebilde bewundern müssen und als den Ausdruck bedeutungsvoller Ideen noch zu entziffern suchen. Einst aber allen verständlich, welche allgemeine Bildung und Kenntnis, welchen allgemeinen Sinn für das Schöne muß ein solches System unter einem Volke verbreitet haben, das bei keinem seiner Gebäude vorübergehen konnte, ohne darauf sozusagen die Seiten eines aufgeschlagnen Buches der Weisheit, der Wissenschaft und der Geschichte vor sich zu sehen, anziehend gemacht durch alles, was Kunst, Geschmack und Pracht vereinigt darzubieten vermochten. Wir nun schreiben zwar auch, aber mit Gänsefedern Krähenfüße auf Lumpen; auch wir haben eine Kunst, sie beschränkt sich indes nur auf mehr oder weniger glückliche Nachahmungen der Alten oder unsrer eignen Vergangenheit und wird bald nichts echt Originales mehr aufzuweisen haben als den Daguerreotyp, Bronzebilder aus Papiermaché, galvanische Vergoldung und unnachahmliche Kassenscheine. Die Erfindung der Buchdruckerkunst freilich stellt uns höher. Bücher haben wir wie Sand am Meer. Alle Hieroglyphen der Ägypter schwinden dagegen, quantitativ jedenfalls, zu nichts. Ob unsere Bücher demungeachtet länger dauern werden als die Pyramiden? Es ist wohl möglich, und ich will es keineswegs bestreiten, aber vieler neuer Auflagen in jedem Sinn wird es noch bis dahin bedürfen. Doch ich kehre zu meiner Beschreibung zurück. Eins der ansehnlichsten modernen Dörfer Ägyptens steht auf und in den Tempelgebäuden von Luxor, dessen Säulen man dort zum Teil bis an die Knäufe, reihenweise vom Sande verschüttet, sieht. Auch der Nil, an dessen Ufern einst der Palast unmittelbar stand, wie die Reste eines massiven Quais noch bezeugen, hat seinen Lauf wie unwillig über die neue Bettelnachbarschaft einige hundert Schritte weiter davon ab genommen. Als ein Vorspiel gestattete ich mir mit dem Doktor zuerst eine allgemeine Mondscheinpromenade im kolossalsten Teile der Ruinen, unter dem Säulengang des mittleren Hofes beginnend, dessen Säulen, obgleich voll zur Hälfte verschüttet, in dieser Höhe noch an dreißig Fuß im Umfang messen! Es diente uns bei diesem Spaziergang eine schwarze Almeh als Führerin, die, zuweilen ihr Tamburin anschlagend, gedankenlos unter den Trümmern vor uns hertanzte – ein wunderlicher und mich doch gar nicht störender Kontrast. Lange zwischen den Häusern in engen Durchgängen und im Schatten der Paläste umherirrend, bald den rechten Fuß auf die Vorzeit, bald den linken auf die Gegenwart setzend, traten wir endlich unerwartet von innen durch das Pylonentor des Eingangs hinaus und befanden uns plötzlich im hellsten Scheine des Vollmondes grade zwischen den verstümmelten Ramseskolossen und sahen uns rechts zur Seite den schönsten aller Obelisken, dem die Franzosen seinen Gefährten raubten, so schwarz und schlank gen Himmel aufschießen, als sei er ein Pfeil, der sich eben anschicke, von der Erde nach dem Monde zu fliegen. Dieser überraschende Anblick, alle Maße der uns umgebenden Gegenstände noch durch den Dämmerschein nächtlicher Beleuchtung fast verdoppelt, gehörte zu denen, die sich dem Gedächtnisse für immer einprägen.
1) Für diejenigen, denen dieses Thema ganz unbekannt sein sollte, stehe hier folgende kurze Erläuterung. 2) Götter- oder Gotteswohnungen. [Vierter Tag:]Am andern Morgen begannen wir an demselben Fleck eine mehr systematische Besichtigung. Die erste Betrachtung, die sich mir aufdrängte, war die, freilich nichts weniger als neue: wieviel besser die Ägypter die Architektur verstanden haben als wir, ohne daß wir, wie es scheint, imstande sind, etwas von ihnen zu lernen. Die mit ungeheuren Kosten bewerkstelligte Wegholung des hiesigen zweiten Obelisken und seiner Aufstellung in der Mitte des großen Platzes Ludwig des Fünfzehnten in Paris ist kein kleiner Beweis für diese letztere Behauptung. In Luxor bilden den Eingang zum Tempel zwei imposante Pylonen von 100 Fuß Höhe, unmittelbar an den Seiten des Tores sitzen zwei Kolosse ungefähr 40 Fuß hoch, und wenige Schritte davon ab, nur doppelt so weit als die Kolosse von den Pylonen entfernt, standen die beiden Obelisken von 80-90 Fuß Höhe, von denen der eine nun entführt ist. Diese gedrungene Zusammenstellung wirkt mit voller Macht und hoher Bedeutung, während dieselben Gegenstände vereinzelt und im weiten Raume wie verloren hingestellt beides verlieren. Nie errichteten die Ägypter einen Obelisk ohne seinen Gefährten, ebensowenig wie eine einzelne Säule, am wenigsten würden sie aber einen solchen vereinzelten Obelisken in die Mitte eines großen Platzes gestellt haben, wo er nur einem charakterlosen Pfahle gleicht, die Ansicht des Platzes verdirbt, während dieser ihm selbst alles Imponierende seiner Masse raubt und so das Große künstlich klein erscheinen läßt. Es ist wahrlich jammerschade, daß für einen solchen Zweck die Erhabenheit des hiesigen Tempeleingangs so gestört wurde, denn sie zu vernichten, war man dennoch nicht imstande. Der gebliebene Obelisk, aus dem schönsten Rosengranit geformt, ist nur unten auf zwei Seiten etwas beschädigt, sonst überall vortrefflich erhalten und die bis an zwei Zoll tief eingegrabnen Hieroglyphen anerkannt das vollendetste, was in dieser Art die Ägypter selbst geleistet haben. Auch wäre diese Arbeit zu übertreffen in der Tat unmöglich, und man begreift es heutzutage gar nicht mehr, wie man in diesen felsenfesten Granit die subtilsten, bis auf das kleinste Detail ausgeführten Figuren mit eben der Präzision und Leichtigkeit einzugraben vermochte, als unsere besten Wappenstecher in Karniol gravieren. Ein elfjähriger Knabe erbot sich, für einen Kärie (ägyptisches Geldstück, 2½ Franken wert) den Obelisk an diesen Hieroglyphen zu erklettern und führte das gefährliche Wagstück bis zu zwei Dritteilen der Höhe ohne Schwierigkeit aus, worauf aber der heftige Wind ihn oben so schaukelte, daß wir ihm zwei Kärie versprachen, um nur schnell wieder herunterzusteigen. Wenn man von der Disposition und dem Plane des Tempels eine recht deutliche Idee bekommen will, muß man die Spitze der Pylonen ersteigen, obgleich dies auf der verfallnen engen Treppe und zuletzt auf freiliegenden Randblöcken von einem zum andern springend etwas beschwerlich ist. Die Aussicht ist in jeder Hinsicht sehr belohnend, und der erste Erbauer dieses Palastes, Amenophis III. (Memnon), konnte sogar von den Zinnen desselben sich selbst jenseits des Flusses in seinen Kolossen doppelt vor sich sitzen sehen. Es ist ungemein anziehend, die Form und Ausdehnung der Ruinen im Gewirre des Dorfes aufzusuchen, dessen für Ägypten ganz stattliche Häuser wunderlicherweise hier alle die Gestalt der Pylonen im Staube ihrer Kotziegel lilliputartig nachgeahmt haben. Mehr als hundert der alten Säulen erheben sich noch zwischen ihnen, und einer der Haupthöfe des Tempels besteht fast noch ganz. In diesem fand ich mehrere Skulpturen von unbeschreiblicher Erhabenheit und Anmut und mehr als ein Gesicht darunter mit einer Zartheit und Tiefe des Ausdrucks, der dem feinsten europäischen Gemüt hätte genügen müssen. Diese Bilder sind aus der höchsten Blütenperiode ägyptischer Kunst, der Abfall wird schon unter den spätern Pharaonen etwas erkennbar, unter den Ptolemäern ist er bereits gewaltig, unter den Römern endlich bleibt nur die Karikatur. Die Franzosen haben zum Behufe der Luxorschen Expedition sich nicht begnügt, dem Tempel am Eingang eine seiner schönsten Zierden zu rauben, sondern auch dessen Ende durch den darin bewerkstelligten Aufbau eines großen Hauses geschändet, infolgedessen selbst ein Teil der ehrwürdigen Trümmer neu angeweißt wurde. Dieses Haus hindert jetzt einen der interessantesten Teile des Tempels zu besichtigen, neue Mauern sind mitten durch die Heiligtümer gezogen, die noch lebhaften Farben der Bilder in den Fugen mit Kalk verschmiert, um den Luftzug abzuhalten, ein Allerheiligstes zum lieu d'aisance umgewandelt, kurz, barbarischer gewirtschaftet, als es zu verantworten ist. Ich fand eben einige Franzosen in diesem Hause etabliert, die von Indien kamen, denn es scheint, daß man einen permanenten Khan daraus zu machen beabsichtigt, und man wies mir einen Befehl des Herrn Generalkonsuls Mimaut vor, nach welchem durchaus niemandem als Franzosen die Wohnung hier vergönnt sein sollte und nur die französische Flagge auf diesem Hause aufgezogen werden dürfe. Der Vizekönig ist wirklich sehr gutmütig, dergleichen zu gestatten, und ich möchte wohl wissen, welchen Bescheid man Türken erteilen würde, die in Frankreich zum Beispiel auf der Ruine von Chambord oder einer andern in gleicher Einsamkeit liegenden, dergleichen Spekulationen auszuführen versuchten. Aber es ist Zeit, über die grüne Ebne nach Karnak zu reiten, wo uns Thebens Kulminationspunkt erwartet, ein in Stein verkörpertes Märchen, vor dessen Anblick man sich die Augen reibt, um sich zu fragen: Träum' ich, oder wach' ich? – Wahrlich, vom Riesensaal in Karnak kann man ohne alle Übertreibung sagen, daß er den Traum noch überflügle, denn da man nie Ähnliches gesehen, sieht man es auch im Schlafe nicht. Dieser Wald von Säulen, stärker, höher als die meisten Kirchtürme, diese Felsenmassen, die sich über ihre Kelchkronen spannen, dieses Meer von Zierden und Bildern, unermeßlich wie der Sternenhimmel, und diese Farbenglorie einst, von der nur noch einzelne glücklich erhaltne Stellen einen anschaulichen Begriff geben – die kühnste Theaterdekoration bleibt hinter der Erfindung einer solchen Wirklichkeit zurück. Und was war dieser Riesensaal? – nur ein kleiner Teil des ungeheuren Ganzen, dessen Umfang, wie die Mauertrümmer noch deutlich zeigen, über 8000 Fuß betrug, zu dem von außen sechs, größtenteils noch stehende Prachttore von 70 Fuß Höhe, zum Teil mit drei- und viermal wiederholten Pylonen führten und von außen eine Allee vieler hundert kolossaler Sphinxe die Auffahrt zu jedem dieser Tore bildete. Dies war ein einzelner Tempelbau im Bereich der hunderttorigen Thebai – man faßt kaum die Idee dazu, geschweige denn seine Ausführung, und welche Ausführung! In der fast jeder denkbaren Anforderung an ihrer passendsten Stelle Genüge geleistet, das Riesigste wie das Lieblichste in höchster Vollendung erschöpft wird, und wo – betäubt von dieser Masse von Pylonentürmen, Kolossen, Obelisken, Toren, Portiken, Pfeilern und Säulen, Höfen, Sälen, Galerien und Gemächern, alle mit Tausenden und Abertausenden von Figuren bedeckt, alle im blendendsten, mannigfachsten Farbenschein erglänzend – gewiß jeder Gläubige einst mit erschütterter Seele und in frommem Schauern der Götter Nähe fühlend, im Angesicht des irdisch vor ihm dargestellten Himmels anbetend in den Staub gesunken sein muß. Der Haupteingang zum Tempel stieg in einer Sphinxallee, wahrscheinlich von den Kronen grüner Sykomore beschattet, vom Nil heran, bis er zwei pyramidengleiche ungeheure Pylonen erreichte, zwischen denen sich das größte der Tempeltore befand, welches jetzt teilweise zertrümmert ist. Wenn man bis hierher gelangt ist, eröffnet sich eine Perspektive, die auf einmal die ganze kolossale Größe der Ruine Karnaks entfaltet. Trotz der Trümmerhaufen und sieben ganz in der Nähe umgestürzter Säulen von 23 Fuß Umfang sieht man auf einer Distanz von 1000 Schritten durch 12 innere, auch zum Teil zerstörte Tore, alle zwischen 70 und 80 Fuß Höhe, hindurch, zuerst durch den weiten Vorhof, dann, entlang der Riesenhalle, durch den Hof der Obelisken und den der Kolossen hinweg über das Heiligtum, das, wie ein Juwel geschmückt, vertieft in der Mitte liegt, dann jenseits desselben abermals durch viele Höfe und Portiken, bis wo das reine Blau des Himmels wieder durch die turmhohe Pforte am äußersten Ende hindurch glänzt – ein Schauspiel ohnegleichen und nur dadurch möglich gemacht, daß man für diesen Bau ein in der Mitte sich senkendes Terrain wählte und nur eine geringe Erhebung dem Heiligtume gab, welches diese Mitte einnimmt, gegen das nun von beiden Seiten, wie in Ehrfurcht, die heranrückenden Gebäude niederstiegen. Was in dem sogenannten Riesensaal oder der Riesenhalle vielleicht den grandiosesten Effekt hervorbringt, ist die eigentümliche Anordnung, infolge deren die Säulen der durch die Mitte desselben führenden Doppelreihe (welche beiläufig gesagt an 40 Fuß im Umfang messen) um ein Dritteil höher und stärker als alle übrigen sind, und während bei diesen letzteren die Decke auf den Würfeln über ihren Kapitälen anfliegt, über den großen durch die Mitte führenden Säulen noch eine ganze Stockhöhe mit kolossalen Fensteröffnungen, die nach innen herabschauen, bis an die Decke, an 50 Fuß hoch, frei darüber bleibt. Da die Säulen selbst nun über 80 Fuß Höhe haben, so beträgt der ganze freie Raum, den man in der Mitte stehend über sich sieht, gegen 130 Fuß. Dies bringt aber zugleich von allen andern Seiten des Saales aus gesehen nicht nur ein Emporsteigen, sondern ein völliges Verschwinden der Decke nach der Mitte zu hervor, wovon die Wirkung so eigentümlich ist, daß man es gesehen haben muß, um ihre Gewalt begreiflich zu machen. Die Fenster in den erwähnten Wänden der Höhe, die sich wie in der Luft schwebend auf den bunten Lotosknäufen der großen Säulen erheben, sind zum Teil durch ein weitläufiges Steingitter geschlossen, dessen massiver und doch zierlicher, aber ganz fremdartiger Charakter vortrefflich zu dem aus allem Gewöhnlichen ohnedem so völlig heraustretenden Ganzen paßt. Auch hier, wie im Ramsejum, diente dieser dem Tempel aufgesetzte zweite Stock nach Champollions Vermutung zur Wohnung der verschiedenen Mitglieder der königlichen Familie, die von der inneren Seite aus ihren Zimmern in den Säulenwald hinabblicken und von den andern Fenstern die unermeßliche, vom Nil durchströmte Hauptstadt und ihr romantisches Tal von Bergkette zu Bergkette und von Wüste zu Wüste in seiner ganzen Ausdehnung übersehen konnten. Bequeme Treppen, wie es alle altägyptischen in hohem Grade sind, führten ohne Anstrengung in diese turmhohen Wohnungen, was man leider jetzt nicht mehr rühmen kann, sondern sehr mißlich von Stein zu Stein auf dem Schutt und Bruch hinaufklettern muß. Doch erst wird man die Größe der Massen recht gewahr, welche die Säulen verbinden und unter denen es Steine gibt, die über 30 Fuß Länge bei 6 Fuß Dicke und ebensoviel Breite haben; freilich noch immer unbedeutend gegen den Obelisken im nächsten Hofe von 96 Fuß Höhe aus einem glatt wie Spiegel polierten Stück, dessen ganz gleicher Gefährte zerschmettert neben ihm ruht. Außer Kambyses und der Zeit muß auch ein furchtbares Erdbeben hier gewütet haben, oder die Perser kannten gleich den Chinesen schon damals die zerstörende Macht des Pulvers. Nur auf solchem Wege war eine Verheerung dieser Art möglich, der der Riesensaal allein erfolgreich widerstanden hat. Die Säulen desselben, deren sich noch alle 134, bis auf zwei, welche zerbrochen am Boden liegen, aufrecht erhalten haben, stehen sehr dicht nebeneinander, was vielleicht zu ihrer Konservation viel beitrug und überdies den Reichtum ihres Effekts ungemein vermehrte. Die umschließenden Wände enthielten von innen die imposantesten Darstellungen religiöser Gegenstände, von außen noch ungleich ausgedehntere und riesenhaftere Schlachtbilder als die im Ramsejum. Es befindet sich unter andern eine große Segelbarke mit einem Tempel in der Mitte darauf, welche fast natürliche Größe erreicht, wenn man sich dieses Ausdrucks bei einer Barke bedienen kann. Überall im dichtesten Gewühl der Schlacht erscheint der König weit über alle hervorragend, entweder vom Streitwagen oder davor stehend fechtend, wo Diener sich bemühen, die ungeduldig stampfenden Rosse zurückzuhalten, während ein anderer eine Art Sonnenschirm hält, welchen einige für die ägyptische Fahne ansehen. Dies ist auch nicht eben unwahrscheinlich, da Formen eine Konventionssache sind und zum Beispiel der Szepter der ägyptischen Könige uns ganz wie ein Dreschflegel vorkommt. Er ist jedoch in Wahrheit nur eine Geißel, vielleicht ein noch humaneres Königszeichen als das Schwert. Wie Achill den Körper des Hektor um Trojas Mauern schleift, so auch hier der König einen überwundenen Fürsten, aber nicht nur ihn, sondern auch seinen Streitwagen mit den niedergestürzten Pferden, was alles zusammen an des Königs Wagen angefesselt ist. «In allen diesen Bildern», sagt mein geistreicher Freund ungemein wahr, «ist eine ungeheure Phantasie offenbar, die Handlung reich und lebendig, die Bewegung keck und rasch, der Ausdruck sprechend, lebendig, ergreifend, die Zeichnung fast ohne Perspektive, aber die Ausführung der Details unbegreiflich reich und schön. Die Pferde zum Beispiel haben eine Wahrheit im Kopfe, welche an die berühmten venezianischen erinnert. Gebiß, Zaum und Geschirre sind prachtvoll und zweckmäßig; die Wagen sind wie aus Elfenbein gedrechselt, mit erhabner Arbeit und Schmuck, fest, leicht und schön.» Ich erwähnte bereits, daß an vielen Stellen auch die Farben, mit denen der ganze Saal überdeckt war, noch ihre ehemalige Frische bewahrt haben, und in Karnak wie in den Gräbern der Könige muß man die Menge verschiedner Kombinationen und überraschender Zusammenstellungen bewundern, die der Farbensinn der Ägypter hervorzurufen wußte. Besonders zeigt sich dies in dem Adytum, wo nach meinem Gefühl das Edelste vereinigt ist, was ägyptische Kunst aufzustellen fähig war. Die Grazie, die wahrhaft bezaubernde Schönheit vieler dieser Schildereien ist meines Erachtens nirgends überboten worden. Weder die Antike noch die Zeit Raphaels haben auf ihrem Standpunkt Vollendeteres hervorgebracht. Ich fand hier die Abbildung eines jungen Königs – der Porphyrpforte gegenüber, die aus der Galerie, welche den kleinen Saal des Allerheiligsten umgibt, in ein zerstörtes Nebengemach führt –, deren unbeschreibliche Herrlichkeit mich im Innersten ergriff. Es war ein so hinreißendes Ideal von tadelloser Schönheit, ein solcher Inbegriff aller reizendsten und gewinnendsten menschlichen Eigenschaften, mit einer so schmeichelnden Milde der Züge, einem so himmlischen Lächeln um den üppig geformten Mund, einer solchen Begeisterung im Auge, einem Adel der Formen und einer so göttlichen Erhabenheit der Stellung wie der ganzen Erscheinung, daß ich mir, dies Bild verwirklicht, kein unwiderstehlicheres lebendes Wesen denken könnte. Es war wahrhaft ein jugendlicher Gott, der in meinen Augen jeden, den die Griechen gebildet, übertraf. Die innere Wand des heiligen Zimmers besteht aus geglättetem Rosengranit, und die zierlichen darauf eingemeißelten Figuren sind mit einer sehr zarten, blaßgrünen Bronzefarbe bemalt, die Decke ist azurblau mit goldgelben, schmalstrahligen Sternen, in ihrer Mitte der Länge nach durch eine geschmackvoll unterbrechende Bande geteilt, in der sich Blau, Rot und Gelb abwechselnd wiederholen. Alles dies ist, wo es nicht gewaltsam zerstört wurde, in vollster Frische erhalten und im höchsten Grade lieblich. An der auswendigen Wand, um die eine unbedeckte Galerie führte, ist der Grund bronzefarben, und die Figuren behalten zum Teil die schillernde Rosenfarbe des natürlichen Granits. Eine sich weit ausladende prächtige Krönung über der Decke bietet dieselben Farben wie die Bande im Innern. Auf diesen Außenwänden findet man die schönsten Arbeiten, meistens in verkleinertem Maßstabe, und keine Figur über Lebensgröße; einige dieser Figuren sind blau, andere rot, und so sonderbar dies dem europäischen Geschmack auch vorkommen mag, die Behandlung, die Zusammenstellung, der ganze eigentümliche Charakter des Stils sind von der Art, daß ich wenigstens nie durch diese scheinbare Unnatur in der Darstellung so erhabner und reizender Gestalten gestört wurde. In dem großen Portikus von 48 Säulen und Pfeilern, ohnfern des zehnten Tores, der von einigen fünfzig zellenähnlichen Gemächern umgeben ist, haben die Kopten auch wieder eine christliche Kirche improvisiert und auf die Kunstwerke der Pharaonen hideuse Heiligenbilder gekleckst. Glücklicherweise sind aber bis auf ein wohlerhaltnes die übrigen schon größtenteils wieder abgefallen und die alten Gottheiten ganz unbeschädigt und, ohne daß ihre Farben auch nur im mindesten gelitten, unter ihnen wieder zum Vorschein gekommen. Durch einen zweiten Säulengang gelangt man von hier zu einer andern Tempelabteilung mit an Pfeiler gelehnten Karyatidenkolossen und aus diesem endlich zu der letzten großen Ausgangspforte. Wir brachten viele Stunden im Bereich der Ruinen zu, um jedes Detail derselben möglichst zu untersuchen, was ich jedoch vorläufig beiseite lassen und nur eines kleinen Intermezzos erwähnen will, das sich, wie das Komische überall in der Welt zum Ernsten tritt, auch hier als wohltätig zerstreuende Erheiterung darbot, denn auch das Entzücken ermüdet. Als wir im Angesicht des nordöstlichen Tores, unter dessen Skulpturen sich ein enormer Priapus befindet, frühstückten, erschien ein englisches Kammermädchen, deren Herrschaft in der Nähe sein mußte, von einem langen Araber geführt, ein recht hübsches, echt national englisch aussehendes Geschöpf, mit vollendeter Geschmacklosigkeit in einen kurzen weißen Rock mit schwarzer Schürze, einen rosa Spenzer und grünen Hut gekleidet, um sich gleichfalls die Wunder Thebens zu beschauen. Nachdem sie, ohne sich durch unsre Gegenwart irren zu lassen, ihre Inspektion eine Weile fortgesetzt hatte, sahen wir sie endlich auch vor der erwähnten Figur stehenbleiben und sie lange mit ungeteilter Aufmerksamkeit betrachten. Endlich wandte sie sich zu ihrem Araber, der, andächtig hinter ihr stehend, jeder ihrer Bewegungen folgte, und, indem sie ihm mit der Hand winkte, sie weiter zu führen, rief sie mit unwillkürlicher Bewunderung und einem allerliebsten Gesichtsaudruck aus: «Now I declare, this is very curious indeed!» Gern hätten wir die naive Insulanerin gebeten, unser Mahl mit uns zu teilen, aber als ich einen meiner Diener zu diesem Behuf abschickte, verschwand sie schon flüchtig unter den Ruinen. Statt ihrer bemerkte ich mit Entsetzen auf meiner Bernus, die bisher von einem Araber nachgetragen worden war, und die ich jetzt erst wegen des Zugwindes umgenommen hatte, zwei viel unwillkommnere Gäste, auch Kolosse ihrer Art von demjenigen Insektengeschlecht, das man bei uns im gemeinen Leben Kleiderläuse zu nennen pflegt (pediculus horridus, zum Verständnis der Gelehrten). Dies sind die unabwendbaren Schattenseiten einer Reise in den Ländern der Tausendundeinen Nacht. Wir nahmen unsern Rückweg südwestlich durch drei sich folgende Pylonenpaare, alle mit sitzenden oder schreitenden Kolossen versehen, und wie jeder Stein in diesem Riesenbau, an dem seit Thutmosis I. die Pharaonen aller Dynastien während mehr als tausend Jahren gebaut und immer etwas Neues hinzugesetzt zu haben scheinen, mit Bildern und Hieroglyphen überall bedeckt. Am äußersten Tore schließt sich hier die längste der Sphinxalleen an, neben welcher eine Reihe fortlaufender Schutthügel auf beiden Seiten noch viel andre Gebäude der Vorzeit anzeigen. Sie führt ohngefähr eine Viertelstunde weit bis zu dem ältesten, ganz zerstörten Typhonium, das aber auch in seinen Trümmern noch den abenteuerlichsten Charakter entfaltet. Während alle übrigen Ruinen Karnaks, einige im Sande erwachsene Palmen abgerechnet, fast ganz ohne Vegetation sind, ist hier alles mit hohem Unkraut überzogen. Ein furchtbares Typhonsbild, zerbrochne Kolosse und eine Unzahl von Sphinxen blicken aus dem üppig wuchernden Gestrüpp hervor, von denen man seltsamerweise nur gerade hier, wo alles übrige zerstört ist, noch ganz wohlerhaltene antrifft, zuweilen mit dem reizendsten Menschenantlitz, meistens mit vortrefflich geformten Widderköpfen. An drei bis vier Stellen hocken im Grase dicht nebeneinander mehrere Dutzend schlammgrüne Weiber aus Basalt mit grimmigen Löwengesichtern, schauerlich und gespenstisch anzuschauen. Ein seeartiger Wallgraben, der auch jetzt noch voll Wasser ist, also jedenfalls durch unterirdische Kanäle mit dem entfernten Nile in Verbindung stehen muß, umgibt drei Seiten des Hügels, auf dem dies Typhonium gleich einer Festung stand, und hohe Dämme und Schutthaufen auf der entgegengesetzten Seite des Wassers verraten auch in dieser Umgebung eine Menge ansehnlicher Bauten in alter Zeit. In diesem einsamen Gewässer soll sich zuweilen noch der heilige Ibis als Gespenst sehen lassen, und ich wäre geneigt, an jede wunderbare Erscheinung an diesem Ort, dem bösen Gotte geweiht, zu glauben, so unheimlich ward mir selbst dort zumute, wozu wohl die betäubende Erinnerung all der riesenhaften Massen und nie geahnter Wunderwerke, die sich vor mir zusammengedrängt, noch einen Schauer mehr in meine aufgeregte Seele goß. Die Abenddämmerung kam hinzu, und, in die fabelhafte Vergangenheit gänzlich versunken, ritten wir fast unbewußt durch die weit hingestreuten Palmenbuketts der Plaine, hoch überragt in Nord und Süd von Karnaks und Luxors schwarzen Ruinen, zwischen denen ehemals eine starke halbe Stunde weit ebenfalls eine geschloßne Allee mehrerer tausend kolossaler Sphinxen führte! Endlich sahen wir unsrer Barken Wimpel wieder im Glanz des Mondes leuchten, und unter ihnen erglänzten schimmernd und funkelnd die blauen Fluten des Nils – denn hier fand ich ihn wirklich blau, seine gelb trüben Wasser klar und rein geworden, und hier in Theben ist es auch, wo der Nordbewohner mit Überraschung die ersten Krokodile, wenn auch noch selten, seinen Strom durchschneiden und auf der Inseln weißem Sande sich ruhig vor ihm sonnen sieht. Die Reste eines toten, von der Sonne schon vertrockneten lagen am Ufer und erlaubten uns zum Schluß der langen Bilderreihe noch eine gefahrlose Untersuchung des gräulichsten aller heiligen Tiere Ägyptens. |