Napoleon in Rochefort |
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Mehrere Tage widmete ich der genauen Besichtigung des
Arsenals und der Flotte. Doch ehe ich dieses reichhaltige Kapitel beginne,
muß ich eine Episode einschalten, die meinen liebenswürdigen Führer bei
diesen Besuchen betrifft und die ich nur meinem guten Glück verdanke,
welches mir in kurzer Zeit die Freundschaft dieses vortrefflichen Mannes
in dem Grade verschaffte, daß er mir ein Mémoire anvertraute und mir
dessen Publikation gestattete, welches er bisher den dringenden Bitten der
angesehensten Männer stets verweigert hatte. Ich habe bei dem Folgenden nichts als die Aufgabe einer treuen Übersetzung zu lösen gesucht, da die einfachen, biedern und naiven Worte Bessons durch jeden beigefügten Schmuck nur verlieren könnten, obgleich er allerdings manches hier nur andeutete, was er mündlich mit stärkere Farben ergänzte, was ich ihm aber nachzuschreiben nicht ermächtigt bin. Dem scharfsinnigen Leser wird deshalb nichts entgehen. Der Kaiser, erzählt Besson, kam in Rochefort am 3. Juli
früh morgens an. Ich war damals Schiffsleutnant und dem Generalstab der
Marine attachiert. Da ich leicht bemerkte, daß der Kommandant der zwei
Fregatten, welche das provisorische Gouvernement zu des Kaisers
Disposition gestellt hatte, sehr wenig Lust bezeigte, sich zu
kompromittieren, um eine heilige Pflicht zu erfüllen – das heißt, alles
und selbst sein Leben zu wagen, um Seine Majestät von ihren Feinden zu
retten –, so faßte ich schnell den Plan, an seine Stelle zu treten und dem
Kaiser anzubieten, ihn auf einem der Schiffe meines Schwiegervaters, die
mir im Anfang des Jahres 1815 adressiert worden waren, nach den
Vereinigten Staaten von Amerika zu bringen.2) Ich begab mich also ohne Verzug zu dem Marschall
Bertrand, den ich schon früher zu kennen die Ehre hatte, und teilte ihm
meine Ideen mit. An demselben Abend ward ich schon dem Kaiser vorgestellt,
der mein Projekt annahm, nachdem er nur einige, wenig bedeutende
Modifikationen darin gemacht hatte, worauf ich sogleich einen simulierten
Kontrakt über die Ladung mit dem Grafen Lascases abschloß. Keine andere
Belohnung für die Armateurs ward von mir verlangt als Erstattung der
Kosten der Expedition. In Folgendem bestand mein schnell präpariertes Projekt.
Indem man dieser Richtung folgte, war es damals beinahe unmöglich, nicht zu reüssieren, denn die Engländer standen noch vor der Gironde und am Eingang des Pertuis d'Antioche, das heißt gerade auf der entgegengesetzten Seite. Auch der Erfolg bestätigte dies, denn die «Magdalena» hat in vollster Sicherheit diesen Weg wirklich eingeschlagen, einen Tag vor der unglückseligen Einschiffung des Kaisers auf dem «Bellerophon», und hat auf der ganzen Tour nicht einem einzigen feindlichen Kreuzer begegnet! Sobald der Plan nach der angegebenen Weise definitiv
angenommen war, erteilte der Marschall Bertrand dem Grafen Lascases
Befehl, alles, was zu dessen Ausführung noch nötig sei, zu beschleunigen.
Die Herren Roy Bré et Comp. von Rochefort wurden bestimmt, das Fahrzeug zu
chargieren und die nötigen Expeditionen zu erteilen. Man wandte eine so große Tätigkeit an, daß ich schon am
6. Juli früh von Rochefort abging, um mich nach Marine zu begeben, wo ich
den nötigen Branntwein für die Ladung der «Magdalena» in Empfang nahm.
Ich ward an demselben Abend zum Kaiser gerufen und mit
vieler Güte von Seiner Majestät empfangen. Er befahl mir, auf der Stelle
alle seine Effekten und die der Personen seiner Begleitung zu embarkieren.
Ich fing um 10 Uhr nachts damit an, und um Mitternacht war alles
vollendet. Es blieb nichts übrig einzuschiffen als die Passagiere. Es ist
nötig, hier eines Umstandes zu erwähnen, der nahe daran war, mir das Leben
zu kosten. Kurz nach Mitternacht begab ich mich zum Kaiser, um ihm zu melden: daß alles bereit und der Wind günstig sei. Seine Majestät erwiderte: Für diese Nacht sei die Abreise unmöglich, indem er noch den König Joseph erwarte. «Gehen Sie herunter», setzte er hinzu, «und speisen Sie mit Bertrand. Dieser wird Ihnen ein neues Projekt mitteilen, geben Sie Ihre Meinung darüber an ihn ab und kommen Sie dann wieder zu mir zurück.» Der Kaiser zeigte eine große Ruhe, schien jedoch
nachdenkend, und ich bemerke dies nur, um den Publikationen der Epoche zu
widersprechen, welche allgemein behaupteten, Napoleon habe in Rochefort
fast immer geschlafen und sei durch seine Lage so abgespannt gewesen, daß
er sich zu Ergreifung keiner Partie mehr habe entschließen können. Im
Gegenteil fand ich ihn nicht im geringsten weder abgespannt noch
agitiert. Diese Worte waren leider prophetisch! Noch am 12. wußten
die Engländer nichts von des Kaisers Ankunft in Rochefort, welche ihnen
erst durch den Besuch des Herzogs von Savary und Grafen Lascases auf dem
«Bellerophon» bekannt ward. Ich verließ den Kaiser und stieg zum Grafen Bertrand
hinab, der mir sagte, daß einige junge Offiziere, an deren Spitze sich ein
gewisser Gentil, Schiffsleutnant, befände, gekommen wären, um dem Kaiser
anzubieten, ihn an Bord einer Schaluppe (chaloupe pontée) von Rochelle zu
embarkieren und ihn damit bis zum Eingang der «rivière de Bordeaux» zu
bringen, die Meerenge von Monmousson passierend, wo sich ein
amerikanisches Schiff befände, das dem Kaiser die Überfahrt nach Amerika
gestatten würde oder dessen man sich im Fall der Weigerung bemächtigen
könnte. Da ich die braven jungen Leute sehr wohl kannte, die dieses Anerbieten machten, und deren Namen der Nachwelt erhalten zu werden verdienen (die Herren Dovet, «enseigne de vaisseau», Ritter der Ehrenlegion, ein junger Mann voll Unternehmungsgeist, der Ehre und dem Kaiser treu ergeben, Condé, Aspirant erster Klasse, in jeder Art würdig, in die Fußstapfen seines braven Vaters, des Kommandanten Condé, zu treten, und Gentil, einer der entschlossensten Offiziere, der den ganzen spanischen Krieg unter den «marins de la garde» mitgemacht hatte), so erwiderte ich dem Marschall: Ich sei überzeugt, daß der Himmel selbst Seiner Majestät einen sichern Rettungsweg anzeige und daß man ihn nur sogleich benutzen müsse, da jeder Umstand sich zum glücklichen Gelingen zu vereinigen schiene. «Was wollen Sie damit sagen?» rief der Marschall verwundert aus. Ich will mich sogleich näher erklären, erwiderte ich. Die
zwei Schaluppen von Rochelle sind vortreffliche Segler, besser ohne
Zweifel als die englischen Kreuzer. Man müßte sie abschicken, eine durch
die Enge von Monmousson, die andere durch den Pertuis d'Antioche, und auf
beiden Personen und Effekten einschiffen, die dem Kaiser angehören, doch
so, daß die Schiffsequipagen unter sich selbst nicht wüßten, wer sich am
Bord der andern Schaluppe befände. Dann brauche man nur, fuhr ich fort,
den Befehlshabern beider leichten Fahrzeuge, jedem separat, die Ordre zu
geben, die englischen Kreuzer selbst aufzusuchen, sich von ihnen jagen zu
lassen und sie so weit abzuziehen, als es ihnen möglich sei; hier aber
müsse man die Nachricht unter der Hand verbreiten, daß sich Napoleon auf
einer dieser Schaluppen embarkiert habe, so daß das Personal einer jeden
Schaluppe selbst der Meinung bleibe, der Kaiser sei auf der
andern. Wir fanden Napoleon mit dem Ellbogen auf ein schönes
Nécessaire von Vermeil gestützt, ein Geschenk von seiner Gemahlin Marie
Louise, und ein Meuble, welches Seine Majestät gewünscht hatte, bis auf
den letzten Augenblick bei sich zu behalten, welches daher auch fast
allein von allen noch nicht embarkiert worden war. Der Kaiser erhob den
Kopf und sagte mit dem Ausdruck sehr guter Laune: «Eh bien, Bertrand, que
vous a dit le capitaine Besson?» Nachdem ihm alles, was ich gesagt,
wiederholt worden war, bezeigte er seine volle Zufriedenheit mit meinem
Vorschlag und befahl sogleich, mehrere Effekten seiner Suite und eine
Anzahl Provisionen an Bord der genannten Schaluppen bringen zu lassen, die
Sage zu verbreiten, daß er selbst auf einer derselben sich einschiffen
wolle, und sie dann beide kurz vor seiner eignen Abreise abzusenden; dann
fuhr er fort: «Je suis à présent decidé à partir avec vous Capitaine dans
la nuit du 13. au 14.» Den 11. und 12. beschäftigte man sich mit den Schaluppen, und am 13. früh gingen sie unter Segel mit allen Instruktionen, die verabredet waren, welches ungehindert stattfand, obgleich der «Bellerophon» auf die unterdes erhaltene Visite des Herzogs von Savary und des Grafen Lascases schon am 12. abends seine neue Position in der «rade des basques» genommen hatte. Am 13. kam Herr Marchand mit Tagesanbruch zu mir an Bord, um mir einen ledernen Gürtel, mit Gold angefüllt, für des Kaisers Rechnung anzuvertrauen, und brachte mir zugleich den Befehl, mich sogleich selbst zu Seiner Majestät zu verfügen. Es schien, daß das wenige Gold, das der Kaiser mit sich nahm, geteilt worden war und daß Herr Marchand jedem, der sich mit Seiner Majestät einschiffen sollte, einen Teil davon aufzubewahren gegeben hatte. Um sieben Uhr begab ich mich zum Kaiser, den ich vollständig angezogen in seinem Zimmer auf- und abgehen fand. «Ah vous voilà!» rief er bei meinem Eintritt, «les chaloupes sont parties, à ce soir donc... le sort en est jeté.» Er frug mich hierauf, ob ich sicher sei, diese ganze Küste genau zu kennen, indem er mit dem Finger auf die Karte von Poitou mit der Insel Aix usw. zeigte, welche auf dem Tische lag. Als ich antworten wollte, trat Herr Marchand ein und sagte dem Kaiser etwas ins Ohr, worauf ich schnell verabschiedet wurde. Im Herausgehen begegnete ich einer Person, die ich vorher nie hier gesehen, und erfuhr später, daß es der König Joseph gewesen sei. Der ganze Tag ging mit möglichster Vervollständigung aller Vorbereitungen zur Reise hin, und bei Einbruch der Nacht sagte man mir, daß die Herren, welche der Kaiser von neuem nach dem «Bellerophon» geschickt, zurückgekommen seien. Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß erst an diesem Tage gewisse Personen von Napoleons Gefolge ihn definitiv bewogen hatten, aus Besorgnis, mit ihm an Bord meiner Jacht gefangengenommen zu werden, sich mit dem Kapitän Maitland in ernstliche Unterhandlungen einzulassen, und daß dessen Antwort eben eingetroffen war, doch hatte ich damals noch keine Ahnung davon. Im Gegenteil, als Seine Majestät mich, kurz nachdem es dunkelte, wieder rufen ließ, fühlte ich die größte Freude, endlich dem Ziel meiner Wünsche nahe zu sein. Als ich eintrat, fand ich den General Savary, den Grafen
Lascases, den Grafen Montholon und einen mir unbekannten Fremden
gegenwärtig. «Kapitän», sagte der Kaiser zu mir, «Sie werden sich sogleich
an Ihren Bord verfügen und meine sämtlichen Effekten wieder ausschiffen
lassen. Ich danke Ihnen aufrichtig für alles, was Sie für mich haben tun
wollen. Ein Blitz, der aus heiterer Luft mich niedergeschmettert
hätte, würde keine schrecklichere Wirkung auf mich haben machen können als
diese letzten Worte. Ich fühlte, daß alles Blut aus meinen Wangen wich,
Tränen stürzten aus meinen Augen, und ich blieb einige Augenblicke
unfähig, eine Silbe zu erwidern. «Oh, laissez le parler!» sagte der Kaiser mit einem wehmütigen Blick, der mich bis ins Innerste erschütterte. Doch sah ich bald, als ich nur einigermaßen meine Fassung wiedererlangt, wie unnütz hier alles Weitere sei. «Verzeihung, Sire», fuhr ich fort, «wenn ich zu viel gesagt; ich selbst aber bin durch Ihre Entscheidung wie vom Donner gerührt und vermag nur noch um Euer Majestät Nachsicht zu bitten. Was Sie aber betrifft, Herr Herzog», fügte ich, mich zu diesem wendend, hinzu, «so ersuche ich Sie, wenigstens den Posten zu befehlen, diese Nacht nicht wieder auf mich zu feuern, denn es wäre zu grausam für mich, hier durch eine französische Kugel beim gezwungenen Ausladen von Effekten getroffen zu werden, die ich in Amerika debarkieren zu können gern mein Leben zehnmal geopfert haben würde.» «Gehen Sie, Kapitän», sagte der Kaiser sanft, «und beruhigen Sie sich. Wenn Ihr Geschäft getan ist, kommen Sie wieder.» Ich tat, wie mir befohlen, obgleich in der trostlosesten
Gemütsstimmung, und um 9 Uhr abends am 14. Juli war alles beendet, worauf
ich auch sogleich zur Meldung beim Kaiser wieder zurückkehrte. Ich fand
ihn allein mit Herrn Marchand, den man wohl die personifizierte Treue
nennen könnte, dessen Gefälligkeit für mich sich nie verleugnete und ohne
dessen Hilfe der Kaiser für mich vielleicht ganz unzugänglich geblieben
sein würde. Denn das Reich der Intrige hatte schon ebenso festen Fuß auf
der Insel Aix gefaßt als früher in den Tuilerien. Sobald der Kaiser mich eintreten sah, ging er auf mich zu und sagte: «Kapitän, ich danke Ihnen von neuem; sobald Sie sich hier frei gemacht haben werden, kommen Sie zu mir nach England. Ich werde ohne Zweifel auch dort noch» – setzte er lächelnd hinzu – «eine Person Ihres Charakters nötig haben können.» – «Ach, Sire», erwiderte ich betrübt, «warum darf ich auch nicht die mindeste Hoffnung hegen, daß je ein Tag kommen wird, wo ich einem so schmeichelhaften Befehl Folge zu leisten berufen werden mag!» Ich wollte, meiner Empfindungen nicht mächtig, mich eilig entfernen, als der Kaiser mir zu bleiben winkte und Herrn Marchand hinausschickte, um den Marschall Bertrand zu holen; dann nahm er von einigen Waffen zu seinem Privatgebrauch, die in einem Winkel der Stube standen, eine kostbare Doppelflinte auf, die er lange auf der Jagd geführt, und indem er mir sie darreichte, sagte er mit sehr bewegter Stimme: «Je n'ai plus rien dans ce moment à vous offrir, mon ami, que cette arme. Veuillez l'accepter comme un souvenir de moi.» Dieses mir so unschätzbare Geschenk und die
unbeschreibliche Anmut, mit der es gemacht wurde, bewogen mich, allein mit
dem Kaiser mich sehend, fast unwillkürlich zu einem letzten Versuch. Ich
warf mich ihm zu Füßen und beschwor ihn unter Tränen bei allem, was mir
die kummervollste Überzeugung eingab, sich nicht den Engländern zu
überliefern, da jetzt noch nichts verloren sei und ich mich anheischig
mache, in zwei Stunden Zeit alle seine Effekten von neuem wieder an Bord
zu schaffen, worauf er augenblicklich selbst folgen könne. Es mochte wohl so sein, und ich verschluckte, was mir noch auf der Zunge schwebte. «Es bleibt also nichts übrig, als mich bei Euer Majestät zu beurlauben», sagte ich, «und – abzureisen mit derselben Jacht, Sire, die für Euer Majestät bestimmt war. Ich werde genau der Route folgen, die Sie approbiert hatten, und die Zeit wird, fürchte ich, Euer Majestät nur zu bald belehren, welche von beiden Partien zu ergreifen die sicherste war.» Den Tod im Herzen zog ich mich jetzt zurück und begab mich an meinen Bord. Es war zehn Uhr abends. Ich ließ auf der Stelle die Anker lichten und segelte mit einer frischen Ostbrise ab, ohne durch irgend etwas beunruhigt zu werden. Beim Anbruch des Tages befand ich mich am Eingang der Pertuis Bretons unter die Caboteurs gemischt. Es ist nötig zu bemerken, daß der Kaiser sich erst um fünf Uhr früh auf dem «Epervier» einschiffte und um neun Uhr früh am 15. auf dem «Bellerophon» ankam. Ich hatte also längst vorher schon meinen Weg mit den
Caboteurs unbemerkt fortgesetzt, und erst nachdem ich mich den Sables
d'Olonnes gegenüber befand, nahm ich selbst Abschied von meinem Kapitän,
ihm den Befehl gebend, sich auf Ouessant und Kiel durch den englischen
Kanal zu dirigieren, wo er auch zwanzig Tage darauf glücklich ankam, ohne,
wie bereits am Eingang erwähnt wurde, von einem einzigen englischen
Kreuzer visitiert oder sonst beunruhigt worden zu sein. Hierauf kehrte ich
für meine Person mit einem der Caboteurs nach Rochefort zurück, wo ich
mich zum Marinepräfekten begab, um dessen Befehle einzuholen. Meine erste Entrevue mit Madame Besson gehörte zu den
traurigsten! Wir brauchten lange Zeit, ehe wir gegenseitig Worte finden
konnten für unsern tiefen Schmerz. Der unglückselige Entschluß des Kaisers
vernichtete ihn selbst auf immer, aber auch mein Schicksal war
unvermeidlich niedergezeichnet. Man wird diese einfache Darstellung kaum aus der Hand legen können, ohne für die Hauptfiguren derselben, den großen Kaiser und den braven Besson, die regste Teilnahme zu fühlen, obgleich man sich auch nicht verbergen kann, daß der gealterte, seit Jahren gejagte, harassierte, erschöpfte Held nicht mehr die Frische des Entschlusses besaß, die den General Bonaparte so hoch erhoben hatte. Damals war er auch noch von keiner Hofluft berauscht worden, die nach oben allmählich selbst den besten Kopf schwächt, nach unten aber nur die Herzen anfrißt. Gott hat es indes, wie immer, auch hier am besten zu
machen gewußt, und Besson mag sich vollständig trösten. Dem Kaiser wäre
allerdings, wenn ihn sein Retter nach Amerika gebracht, der persönliche
Leidenskelch einiger Jahre erspart worden, aber sein Ruhm, ich wiederhole
es, hätte durch ein solches obskures Ende im Privatstande nur tödlich
leiden können. Besser war es, als der Gefangene Europas auf St. Helena zu
sterben. 1) Dies ist 1837 geschrieben, und was seitdem in dieser
Hinsicht publiziert sein mag, mir unbekannt.
2) Besson hatte eine vermögende Dänin geheiratet. 3) Kapitän Besson war zweimal Gefangener auf den schrecklichen englischen Pontons, sein Entkommen von dort romanhaft und seine zurückgebliebene Erbitterung wohl verzeihlich. 4) Als ich acht Monate, nachdem ich dieses geschrieben, von einer beschwerlichen und gefahrvollen Reise in Afrikas Wüsten zurückkam, fand ich den in voller Lebenskraft verlassenen Besson schon im Grabe. Nur sein Manuskript ist mir als Beleg für das hier mitgeteilte Bruchstück aus seinem noch in vieler andern Hinsicht höchst merkwürdigen Lebenslaufe zurückgeblieben. |