Vorwort |
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Das vorliegende Werk befand sich schon seit vier Jahren im wesentlichen ganz so, wie es noch jetzt ist, in meinem Portefeuille. Es bedurfte nur einer letzten Durchsicht und Feile, um es dem Druck übergeben zu können. Daß dieses nicht geschah, wird, wie ich glaube, dem Buche keinen Schaden bringen, da zu jener Zeit das Interesse an den ägyptischen Angelegenheiten wegen zu großer Konkurrenz fast abgenutzt war und es jetzt wohl anziehen kann, eine unveränderte Schilderung jener Länder zu lesen, wie sie damals waren und leider jetzt nicht mehr sind! Diese Betrachtung ist jedoch natürlich neueren Datums, und wenn man mich frägt, weshalb ich denn eigentlich so lange mit der Publikation dieser Arbeit gezögert - so weiß ich in der Tat dies selbst kaum mit Genauigkeit anzugeben. Einesteils wendete sich, nach einer Abwesenheit von sieben Jahren in mein Besitztum wieder zurückgekehrt, meine Tätigkeit von da an durchaus mehr künstlerischen als literarischen Beschäftigungen zu. Anderweit bewog mich vielleicht das Gefühl einer mir so sehr geziemenden Bescheidenheit, nicht jahraus jahrein das Publikum mit Produktionen aus derselben Feder zu überschwemmen, so nachsichtig diese Schriften auch von dem größten Teil meiner Leser aufgenommen wurden. Obgleich dies aber der Fall war, konnte ich mir demungeachtet nicht verbergen, daß gerade das, was ich mir am meisten zum Verdienst anrechnen zu dürfen glaube, meine Freimütigkeit und die natürliche Selbständigkeit, welche mir es unmöglich macht, irgendeiner einseitigen Parteiansicht unbedingt zu huldigen, mir fast das Los der Fledermaus zwischen den Tieren und Vögeln bereitete. Die Aristokraten fanden mich zu liberal, die Liberalen zu aristokratisch, die Frömmler gottlos, die Nichtgläubigen nur Religiosität heuchelnd, die Bürokratie im Vaterlande stellte mich als einen halben Revolutionär dar, die Freitümler behaupteten dagegen, ich nähme mich wohl in acht, je ernstlich anzustoßen, und schmeichle gelegentlich immer der Macht - kurz es schien, daß ich es niemandem recht machen könnte. Wären die Folgen hiervon nur im Bereiche der Kritik verblieben, so hätte mich alles wenig gekümmert, aber ich mußte zu meinem Nachteil gewahr werden, daß diese Ansichten auch einen bedeutenden Einfluß auf meine Lebensverhältnisse auszuüben begannen und mir positiv und negativ wirklichen Schaden brachten. Da ich nun nicht heucheln kann und auf der andern Seite die Rolle des ohne Not und ohne Erfolg sich opfernden Don Quixote zu spielen ebenfalls wenig Lust fühlte, so hielt ich es für besser, mich als Schriftsteller so lange zurückzuziehen, bis für mich günstigere Konjunkturen einträten. Waldeinsamkeit am 29. Febr. im Schaltjahr 1844. |